Kalifornien Halleluja von links
Die Wahl in Kalifornien ist abgesagt – zunächst einmal. Doch der Kampf geht weiter: Vor Gericht, im Radio und in der Kirche
Los Angeles, Kalifornien
Der Tag des Herrn beginnt noch in der Überzeugung, dass Kalifornien in wenigen Wochen wählen wird. Deshalb ist an diesem Sonntag alles ein wenig anders als gewöhnlich. Was haben sie sich herausgeputzt für diesen Gottesdienst mit dem Mann, den sie den ersten schwarzen Präsidenten Amerikas nennen! Im blütenweißen Hemd die Messdiener, im Sonntagsstaat die Gemeinde, im Purpurgewand der Gospelchor.
„Groß, groß, so groß.“
60 Kehlen heizen der Gemeinde ein.
„Würdig, würdig, so würdig.“
Links neben dem Altar der Schlagzeuger, rechts die Orgel und hinter dem Chor das an den sozialistischen Realismus erinnernde Wandgemälde, das die Versklavung der Schwarzen und die Urbarmachung Amerikas zeigt.
„Heilig, heilig, so heilig.“
Die irdische Politik ist allerdings nicht herauszuhalten aus der Kirche. Jedenfalls nicht aus dieser, der First African Methodist Episcopal Church. Nicht damals, vor gut zehn Jahren, als rund um das Gotteshaus die Rassenunruhen von South Central Los Angeles tobten. Nicht heute, da die konservative Revolution den linken Gouverneur per Volksabstimmung aus dem Amt jagen will.
- Datum 18.09.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 18.09.2003 Nr.39
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