Interview „Ich bin ein doppelt Fremder“Seite 9/9
zeit: Woran denken Sie?
Kirchner: An die Kunst. Ödipus in Kolonos, Antigone – zum Beispiel. In Grübers Ödipus in Kolonos am Wiener Akademietheater ist die Form der Zerstörung sehr präsent. Was für ein tolles Bühnenbild von Anselm Kiefer! Der ganze Balkan sieht so aus. Aus einer Betontreppe ragen ein Gitter und die Verstrebungen von Stahlstangen. Am Boden liegen zerbrochene Stufen. Kiefer und Grüber haben eine Abstraktion von Zerstörung geschaffen. Der Boden, das kann man wahrscheinlich nicht sehen, ist geharkt, am Anfang ganz gleichmäßig. Grüber hat einmal gemeint, am Ende des Stückes könnte man durch die Spuren wie in einem japanischen Garten eine Geschichte erkennen.
zeit: „Was bleibt von all diesem Elend?“, wie es in Becketts Letztem Band heißt, das Sie 1999 gemeinsam mit Ursula und Gert Voss inszenierten?
Kirchner: Es wäre schön, wenn ein Gewitter und die Himmelsmächte mir anzeigen würden, dass es Zeit zum Sterben ist. So zu sterben, wie Ödipus stirbt, ist ein Traumtod.
- Datum 25.09.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 25.09.2003 Nr.40
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