Dass dreieinhalb Jahre nach Beginn der Baisse an den Aktienmärkten die Weltwirtschaft noch immer in einem gefährlichen Ungleichgewicht hängt, hatten viele Anleger in den vergangenen Monaten verdrängt. Ein kleines Kommuniqué aus Dubai hat sie nun wieder daran erinnert. Darin haben die Notenbanker und Finanzminister der mächtigsten Industriestaaten der Welt, die so genannten G-7, dezent, aber nachdrücklich auf diese Gefahren hingewiesen. Die Finanzmärkte reagierten prompt. Die Aktien stürzten ab (um sechs Prozent in Japan, fünf Prozent in Europa und immerhin noch drei Prozent in den USA), die Anleihenkurse stiegen – und der Dollar verliert seither deutlich an Boden.

Der Weltwirtschaft könnte das gut tun.

"Wir betonen, dass mehr Flexibilität bei den Wechselkursen wünschenswert ist." Dieser Satz ist es, der die Finanzwelt so nachhaltig aufgeschreckt hat. Denn im Klartext heißt das nichts anderes, als dass der Dollar nach Ansicht der G-7-Länder überbewertet, der Euro, der Yen und der chinesische Yuan hingegen unterbewertet sind. Und damit mitverantwortlich für das enorme Leistungsbilanzdefizit der USA.

Je schwächer Euro und Yen, desto billiger können die Amerikaner in der Welt einkaufen. Seit Jahren schon konsumieren sie mehr, als sie selbst erwirtschaften. Um die entstehende Lücke zu füllen, fließen derzeit noch drei Viertel der gesamten im Ausland angelegten Ersparnisse der Industrieländer nach Amerika. Aber wie lange noch? Sollte dieser Kapitalstrom plötzlich versiegen, käme es zu einem Dollar-Crash – mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft.

Genau dem wollen die G-7-Ländern vorbeugen. Der Dollar, so ihre Botschaft, muss abwerten – aber langsam und in geordneten Bahnen, damit die Weltwirtschaft wieder ihr Gleichgewicht findet. Ein langsam sinkender Dollar-Kurs würde dafür sorgen, dass die Amerikaner mehr exportieren und weniger importieren – und so ihr Leistungsbilanzdefizit abbauen könnten.

Das Kommuniqué von Dubai erinnert deshalb an den Plaza Accord Mitte der achtziger Jahre. Damals sprach sich die Runde der G-5 explizit für einen niedrigeren Dollar-Wechselkurs aus und schickte die US-Währung damit auf Talfahrt. Gegenüber der D-Mark halbierte sich der Wert des Dollar binnen zweier Jahre. Das Motiv für das Plaza-Abkommen: Das Zwillingsdefizit Amerikas. Sowohl die Leistungsbilanz als auch das Haushaltsbudget waren tiefrot. Genau wie heute – mit dem kleinen Unterschied, dass das Leistungsbilanzdefizit, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, heute sogar noch viel größer ist als damals.

Schuld daran ist allerdings nicht allein der Konsumrausch der amerikanischen Verbraucher und auch nicht der Investitionsrausch der internationalen Anleger, die in den vergangenen Jahren die Amerikaner mit ihrem Kapital quasi überschütteten. Die Erklärung von Dubai hat zumindest indirekt noch weitere Schuldige benannt: die asiatischen Staaten, insbesondere China. Mit ihren unterbewerteten und gleichzeitig festen Wechselkursen verhinderten sie den Abbau des amerikanischen Handelsbilanzdefizits. Auf diese Weise kurbelten sie ihre eigene Exportwirtschaft an und vernichteten Arbeitsplätze in den USA, so der Vorwurf.

Die Japaner haben darauf bereits geschmeidig reagiert und trotz eigener Schwierigkeiten Verantwortung für die Weltwirtschaft übernommen: Sie haben ihren Wechselkurs aufwerten lassen. Wurde er in den vergangenen Monaten zwischen 122 und 115 Yen je Dollar stabilisiert, notiert er inzwischen knapp über 110 Yen je Dollar, und Devisenhändler rechnen bereits mit einer neuen Obergrenze von 105 oder 107 Yen je Dollar.