Aschraf Mansour hat sich verspätet. Eine Krisensitzung jage die andere, entschuldigt er sich. Gerade habe er noch letzte Absprachen mit den ägyptischen Sicherheitskräften treffen müssen. Hosni Mubarak hat sich angesagt. Tritt der Präsident auf, herrscht immer Alarmstufe 1. Jetzt kommt er sogar in Begleitung des deutschen Bundeskanzlers. Am Sonntag auf dem Campus wird etwas los sein, wenn die beiden Politiker gemeinsam die German University in Cairo (GUC) eröffnen, die erste deutsche Universität außerhalb Deutschlands.

Der Vorsitzende des Board of Trustees, des Aufsichtsrats der Hochschule, kommt nicht zur Ruhe: "Zwei Hubschrauber-Landeplätze, ein Podest in der Empfangshalle." Mansour schnauft. Beides musste eigens für die Veranstaltung gebaut werden. "Und dann auch noch die Journalisten!" Deutsches Fernsehen, Rundfunk, Printpresse stehen Schlange. Alle wollen ein Interview mit ihm, dem geistigen Vater und Initiator des Projekts.

Aber am Sonntag wird sein Traum endlich verwirklicht sein. Der Anlass ist von solcher Wichtigkeit, dass Gerhard Schröder mit einem großen Tross im Schlepptau aufkreuzt: Wissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn, Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel, Vertreter der Universitäten von Stuttgart und Ulm und viele mehr. Sie alle sind an dem Projekt beteiligt, das der deutsche Botschafter in Kairo Martin Kobler als "Juwel deutsch-ägyptischer Zusammenarbeit" bezeichnet. "Wenn man in der arabischen Welt etwas bewirken will, dann ist Kairo der richtige Ort." Ägyptens politische Stabilität und die Größe seiner Metropole machen Kairo zur idealen Stätte, um deutsche Hochschulbildung in der arabischen Welt zu verbreiten.

Budapest, Singapur, Hanoi

Mit zehn Millionen Euro unterstützt das Bundesbildungsministerium bislang 29 Ausgründungen deutscher Hochschulen im Ausland. Darunter sind kurze akademische Sommerkurse in Rio de Janeiro und Kuba für Energie- und Umwelttechnik wie auch komplette Studiengänge. Die deutschsprachige Universität in Budapest bietet Studiengänge für Postgraduierte an, in Hanoi gibt es ein deutsches Institut in Form einer GmbH, die im Besitz der Uni Dresden ist, und im Februar eröffnete die Technische Universität München eine Auslandsfiliale mit vier Weiterbildungsstudiengängen in Singapur.

Kairo indessen ist das umfangreichste Projekt dieser Art. Am 7. Oktober werden 1000 Studenten ihr Vollstudium aufnehmen. Noch sind allerdings Betonmischer und Baufahrzeuge auf dem Gelände zugange. Und das wird noch eine Weile so bleiben. Denn von den als erster Komplex geplanten vier Häusern sind erst zwei bezogen. "Wir bauen Schritt für Schritt eine ganze Stadt", sagt Aschraf Mansour, und die Begeisterung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Ohne ihn gäbe es keine GUC. 577000 Quadratmeter hat die Körperschaft, Betreiberin der Uni in Kairo, vom ägyptischen Staat gekauft. Zum Vorzugspreis. "Das, was jetzt steht, ist erst der Anfang", sagt Mansour.

Er ist fast ein halber Deutscher. 1997 habilitierte er sich in Ulm, nachdem er Anfang der neunziger Jahre mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) bei den Schwaben studiert und promoviert hatte. Polymerphysik war sein Schwerpunkt, die deutsche Sprache und Kultur seine Leidenschaft. "Am Ende wollte ich ein Stück Ulm nach Hause mitnehmen." Sogar sein Geburtstag ist ein geschichtsträchtiges Datum in Deutschland: der 3. Oktober. Als die Universität Ulm eine Kooperation mit der in Stuttgart diskutierte, mischte sich der junge Ägypter ein. Die Idee eines gemeinsamen Instituts in Kairo wuchs zu dem Plan, eine private deutsche Universität einzurichten.

Die Hülle ist von Ägypten finanziert, der Inhalt von Deutschland. Die beiden Rektoren der Universitäten Ulm und Stuttgart, Hans Wolff und Dieter Fritsch, bekamen Unterstützung vom Bundesland Baden-Württemberg, vom Bundesbildungsministerium und vom DAAD. 600000 Euro wurden bisher für die Entwicklung des Curriculums und für Personal-, Sach- und Reisekosten ausgegeben. Einen Nachschlag hat der DAAD bereits zugesagt.