die zeit: Herr Hogeforster, der Handwerkstag Baden-Württemberg hat eine neunjährige Schule für alle nach finnischem Vorbild vorgeschlagen. In der Handwerkskammer Hamburg wird Ähnliches diskutiert. Wie sieht Ihre Schule aus?

Jürgen Hogeforster: Was wir in Skandinavien erleben, ist überzeugend. Man redet dort wenig über Leistung und erzielt hohe Leistungen, weil die Besonderheit eines jeden Kindes geachtet wird. Das Geheimnis des Erfolges ist, frühzeitige Selektion zu vermeiden und die Einzelnen zu fördern. Das ist eine Frage der Kultur.

zeit: Nicht auch der Struktur?

Hogeforster: Ja, auch. Aber in der Frage, ob alle Schüler sieben oder neun Jahre zusammenbleiben, bin ich leidenschaftslos. Wichtig ist eine Schule ohne Beschämung. Sie muss alle anheben, die Eliten ebenso wie die Schwachen. Das ist nur in einem Vertrauensklima möglich. Wenn Schüler ständig von Abstieg bedroht sind, entsteht kein Selbstvertrauen.

zeit: Bisher war doch das Handwerk mit dem deutschen dreigliedrigen Schulsystem zufrieden?

Hogeforster: Man hat gesagt, wir brauchen den praktisch Begabten, und den finden wir in der Hauptschule. Schon länger stellen wir aber fest, dass 15 Prozent der Schulabgänger beim besten Willen nicht mehr ausbildungsfähig sind, trotz aller Hilfen…

zeit: …15 Prozent der Bewerber?