Fast nichts wird in Washington so wichtig genommen wie die Gastfreundschaft. Dafür hält die Hotel- und Gaststättenabteilung des Weißen Hauses eine feinsinnig abgestufte Liste von Zwei- bis Fünf-Sterne-Treffpunkten vor. Dem Kanzler zum Beispiel wurde jüngst in New York eine geschliffene Drei-Sterne-Behandlung zuteil, als er mit Präsident George Bush im Waldorf-Astoria ein gekonnt eingeübtes Lächeln absondern durfte. Das war mehr als in Prag 2002, als er nur einen Händedruck erhaschte (zwei Sterne).

Welch häusliche Wärme die US-Gastgeber zu entfachen vermögen, kann Russlands Lenker Wladimir Putin ermessen. Er durfte 2002 die Ranch besuchen (fünf Sterne). Dort draußen, im texanischen Crawford, schaute er Kopf an Kopf mit George ins prasselnde Kaminfeuer. Dann schoss der Russe im Irak nicht mit - macht einen Stern weniger. Bush empfing ihn am vorigen Samstag in Camp David (vier Sterne). Die Fünf-Sterne-Packung in Crawford wurde zuletzt nur einem Ehrengast zuteil: Silvio Berlusconi. Der Italiener strafte alle Lügen, die sagen, die einzige Weltmacht sei einsam geworden. Wahre Freunde hat Amerika immer noch und pflegt, wem Pflege gebührt.