Das Weiße Haus hat etwas Ungewöhnliches getan. Es hat Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak heruntergespielt. Noch bevor David Kay, der Chef der 1400 Mann starken Waffensuchtruppe, dem US-Kongress seinen Zwischenbericht vorlegte, dämpfte die CIA die Erwartungen. "Wir rechnen damit, dass er zu keinen festen Schlussfolgerungen gelangt", sagte ein Sprecher des Geheimdienstes, in dessen Auftrag Kays Mitarbeiter seit knapp einem halben Jahr das Zweistromland durchkämmen. Was Kay nach Hause bringt, sind Indizien, die allenfalls auf Saddam Husseins bösen Willen hindeuten: Dokumente, Dateien und Bilder, die möglicherweise auf die Absicht schließen lassen, das Regime könnte geplant haben, eventuell und bei Bedarf ... Sie wissen schon.

Was ist eigentlich aus all den irakischen Überläufern, Dissidenten, Exgenerälen und anderen Saddam-Hussein-Gegnern geworden, mit deren furchteinflößenden Insider-Informationen CIA und MI6 vor Kriegsbeginn ihre Irak-Dossiers füllten? Sie alle sind seit dem Sturz des Diktators merkwürdig still. Dabei könnten doch gerade sie, die vermeintlichen Mitwisser der Bio- und Chemiewaffenprogramme, jetzt ganz entspannt auspacken. Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass sie es deshalb nicht tun, weil sie vor dem Krieg Gerüchte als Gefahren verkauften, Gerüchte, die Washington und London dann dem Rest der Welt als Gewissheiten darboten.

Auch wenn George Bush zu Recht darauf hinweist, die Welt sei ohne Saddam Hussein ein schönerer Ort - auch wenn Tony Blair deshalb glaubt, Großbritannien habe sich "als Land für nichts zu entschuldigen" - beide haben mit derart fadenscheinigen Beweisen einen Krieg begonnen, wie sie keinem ordentlichen Gericht genügen würden, um auch nur einen Falschparker zu verurteilen.

Gewiss, im Falle Saddam Husseins war die Frage nie, ob er Massenvernichtungswaffen besessen, sondern ob und wann er sie vernichtet hat.

Das kann lange her sein. Inzwischen mag man fast hoffen, dass die Suchtrupps nun nichts mehr finden. Denn damit würde sich jeden Tag das Bild von Saddam Hussein als großem Maulhelden erhärten, der nicht zu offenbaren wagte, dass er in Wahrheit gar kein Giftgas und keine Virenbomben mehr in der Hinterhand hielt.