Einwanderer Ossis sind TürkenSeite 3/3

Die Beispiele aus Migrantengemeinschaften lassen zudem erwarten, dass sich ein ostdeutscher kultureller Kosmos erhält. Vieles von dem, was die Harvard Encyclopedia of American Ethnic Groups unter dem Begriff „Folklore“ aufführt, wird im Osten anders bleiben: Arten zu kommunizieren, Flüche, Witze, Rätsel, Geschichten, Lieder, Lebensmittel, Gesundheitspraktiken und so weiter. 15-Jährige, die beim Fall der Mauer gerade geboren waren, spielen heute auf ihren Feten den Puhdys-Klassiker Alt wie ein Baum im Dance-Remix. Als Suppe in Ost-Berliner Kantinen gibt es weiterhin Soljanka. Zum Geburtstag verschenkt man Präsentkörbe, in denen Rotkäppchen-Sekt und Haloren-Kugeln liegen – eine Vorliebe fürs gewohnte Essen, für bekannte Erzeugnisse, wie sie bei allen Immigranten üblich ist. Vielleicht sieht Ostdeutschland in 50 Jahren ja aus, wie die irischen Viertel von Boston. Sie sind durch und durch amerikanisch – und doch unübersehbar anders.

Dies ist die gekürzte und bearbeitete Fassung eines Beitrags zu der Essaysammlung „Das neue Deutschland“ (hrsg. von Tanja Busse und Tobias Dürr), die dieser Tage im Aufbau-Verlag erscheint

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