Porträt Politik vom WickeltischSeite 3/3

Wie viele Ökonomen fordert er, der Sozialstaat müsse radikal erneuert werden, mit ein paar kleinen Korrekturen hier und da sei es nicht getan. Den Grund für diesen Reformzwang sieht er allerdings – und darin unterscheidet er sich vom deutschen Mainstream – weniger in der Globalisierung. Die größten Herausforderungen kommen aus dem Innersten der Industrienationen selbst – durch die neuen Familienstrukturen und die Erwerbstätigkeit von Frauen. „Wir sind mitten in einer Revolution von demografischen und familiären Verschiebungen“, schreibt er.

Und an dieser Stelle müssten sozialdemokratische Reformen ansetzen, quasi am Wickeltisch statt an der Werkbank. In der Nachkriegszeit sei Europa ein jugendlicher Kontinent gewesen – die Sozialpolitiker mussten sich deshalb vorrangig um die Alten kümmern, die damaligen Verlierer, sagt er. „Heute, in alternden Gesellschaften müssen wir lernen, in die Jungen zu investieren.“ Politik vom Standpunkt der krabbelnden Klasse aus.

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