Seit der Schaffung der Ich-AG erlebt Deutschland wieder eine Gründungswelle. Doch die Banken geben den Gründern oft nur ungern Kapital. Denn an einem Kredit von 20000 Euro – diese Summe brauchen 90 Prozent aller Gründer anfänglich – lässt sich nur wenig verdienen. Zudem ist das Ausfallrisiko mit 30 Prozent außerordentlich hoch. Kein Wunder also, dass immer weniger Gründer Kredite erhalten.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das ein unerfreuliches Ergebnis. Denn auch solche Unternehmen, die mit Krediten erfolgreich starten könnten, werden in ihrer Entwicklung behindert oder gestoppt. Den Banken gelingt es also offenbar nicht, ihrer Filterfunktion in diesem Marktsegment nachzukommen, nur erkennbar guten Unternehmungen mit Krediten den Start zu ermöglichen.

In anderen Ländern hingegen funktioniert die Kreditvergabe durch Banken an Gründer – das so genannte Microlending – durchaus, und die Kreditinstitute verdienen damit sogar gutes Geld. Für das Microlending haben sie andere Kriterien entwickelt als für normale Geschäftskredite. So werden Geschäftsmodelle nicht bloß ökonomisch analysiert, sondern auch psychologisch die Persönlichkeit des Gründers. Ferner erhalten die Unternehmer in spe anfangs nur kleinste Kreditvolumina. Und schließlich warten die Kreditgeber bei einem Zahlungsausfall nicht ab, sondern versuchen sofort, ihr Geld einzutreiben.

Das Ergebnis ist beeindruckend. Die Commerzbank beispielsweise weist in Albanien, in Ungarn oder der Ukraine – wo sie Kapital auf diese Weise über eine Tochtergesellschaft verleiht – eine Eigenkapitalrendite von 17 Prozent aus.

Sind die Banken in Deutschland also möglicherweise zu unflexibel und erkennen eine lukrative Marktchance nicht ganz wie in den sechziger und siebziger Jahren im Hinblick auf Konsumentenkredite? Damals lehnten sie diese mit Argumenten wie "kleine Kredite lohnen sich nicht" und "Schrankwände und Autos kauft man nicht auf Kredit" ab. Bis die amerikanische Citybank bewies, dass man damit sehr wohl Geld verdienen kann. Inzwischen sind Konsumentenkredite bei der darauf spezialisierten Norisbank ein beliebter Profitbringer.

Einstweilen jedenfalls überlässt die deutsche Kreditwirtschaft das Microlending lieber dem Staat.

Aktuell gibt es 21 verschiedene mehr oder weniger staatlich finanzierte Ansätze, davon 20 mit regionalem oder kommunalem Kontext und das Mikrodarlehen der Mittelstandsbank als einen bundesweiten Versuch. Solche Downscaling-Programme, in denen Geschäftsbanken staatlich geförderte Kredite wie das Mikrodarlehen vergeben, haben nach internationaler Erfahrung allerdings ein fundamentales Problem. Geschäftsbanken verändern die Methoden für ihre Kreditvergabe nicht, nur weil sie ein staatlich gefördertes Produkt weitergeben sollen. Zwar ist die Vergabe von festen Provisionen von 600 Euro (wie beim Mikrodarlehen vorgesehen) ein Schritt, die Banken zur Vergabe kleiner Kreditbeträge zu motivieren. Aber solange ihre Vergabekriterien sich von denen für normale Geschäftskredite nicht unterscheiden, werden die meisten Gründer wie bisher wohl keinen Zugang zu Fremdkapital erhalten.

Noch geringer sind die Erfolgsaussichten solcher regionalen und lokalen Programme, die die Kredite zu niedrigen Zinssätzen vergeben und die Auswahl der zu finanzierenden Gründer nicht erfolgsorientiert gestalten. Denn selbst für erfolgreiche Gründer ist die Anschlussfinanzierung nicht durch eine Bankkooperation gesichert. Mit diesen Angeboten ist weder den weniger erfolgreichen Gründern geholfen, die nach dem Erhalt eines staatlichen Subventionskredits schlechter dastehen werden (wenn sie nämlich Pleite gehen), noch den erfolgreichen Gründern, die von Geschäftsbanken trotz Rückzahlung des ersten Förderkredits dennoch keine Finanzierung erhalten. Hier droht die Idee Microlending an der Subventionskultur der öffentlichen Hand zu scheitern.