Horno/Lausitz

Nein, sagt der müde Mann am Telefon. Nein, er wolle nicht mehr reden. Das reiße nur alles wieder auf. Ja, er entsinne sich unseres Gesprächs. Ist das wirklich schon sechs Jahre her?

Die Kriegs- und Fluchtgeschichten. Und das Foto bei der Scheune. Herr Noack, Sie wirkten so kämpferisch mit der gereckten Axt.

Da sei ja inzwischen manches passiert, sagt Günter Noack. Er wünsche das Kapitel Horno nur noch abzuschließen.

Das möchte ich auch. Das Ende erzählen.

Es ist vorbei, sagt Günter Noack. Verstehen Sie mich bitte. Danke schön.

Wieder Horno, wohl zum letzten Mal. Erstmals kamen wir vor zehn Jahren (ZEIT Nr. 16/93 und Nr. 9/97). David kämpfte gegen Goliath, das sorbische 380-Seelen-Dorf Horno gegen die Bagger der Lausitzer Braunkohle AG. Und gegen deren Hilfstrupp, die Landesregierung zu Potsdam. Und gegen Ostdeutschlands Not- und Totschlagsargument, das da lautet: Arbeitsplätze. Die Kohle ist im Süden Brandenburgs der einzige große Arbeitgeber. 11000 Kumpel (von, zur DDR-Zeit, 25000) standen 1993 bei der Laubag noch in Lohn und Brot. Die aber würden bleiben, so die optimistische Doktrin der Ära Stolpe/Kohl. Das Zugpferd Bergbau werde Investoren in die Lausitz holen, bis die Krater zwischen Forst und Guben blühen. Heute pflügen weniger als 4000 Kumpel das Land, 60 Meter tief für zehn Meter Flöz, und füttern das Kraftwerk Jänschwalde und brennen Strom, der teurer, also schwer verkäuflich würde, käme die Kohle von weiter her. In 15 bis 20 Jahren ist ganz Schluss mit Tagebau.

"Vielleicht werden unsere Nachkommen sagen: Die Idioten!"