Nettere Chefs wollen sie und jüngere Politiker, mehr Betriebssport und mehr Lehrstellen: Auf Großplakatwänden in München, Nürnberg und Würzburg durften Jugendliche zwei Septemberwochen lang sprayen, kritzeln oder malen, was sie auf dem Herzen haben.

Aufgestellt hatte die Wände die Jugend der IG Metall in Bayern. "Was geht? Zukunft konkret" hieß die Aktion, herausgefunden werden sollte, was die Jungen bewegt – ob sie nun gewerkschaftsnah fühlen oder nicht. Neben der plakativen Aufforderung auf den Reklametafeln wurde auch eine Website im Internet eingerichtet. Die trug das Motto "Mach Dir Deine eigene Gewerkschaft", und jeder, der sich reinklickte, konnte aus 80 Themen auswählen, was seiner Meinung nach schwerpunktmäßig angepackt werden sollte – von A wie "Arbeitszeiten" bis Z wie "Zukunftsorientierte Arbeitsplätze".

Nach zwei Wochen verzeichnete der Macher der Website, die Münchner Agentur Ketchum, mehr als 50 000 Zugriffe und über 12 000 Abstimmungen. Ihr Fazit: Mit Sprühdose und Web-Aktionen lässt sich offenbar etwas gegen Politik- und Gewerkschaftsverdrossenheit tun.

Die IG Metall-Jugend Bayern bezeichnet sich als größte politische Jugendorganisation im Freistaat: Mit 48 000 Mitgliedern erreiche man 56 Prozent aller bayerischen Auszubildenden. Vertreten werden die Interessen von Jugendlichen in Metall verarbeitenden Berufen in der Metall-, Elektro-, Holz-, Kunststoff-, Textil- und Bekleidungsbranche.

"Uns hat es gewurmt, dass das Image der IG Metall so schlecht ist und unsere Jugendarbeit nicht wahrgenommen wird", erklärt Bezirkssekretär Bernhard Stiedl, 33, die Entstehungsgeschichte der Aktion. Der Ansatz, Themen nicht vorzugeben, sondern sie abzufragen, und die Idee, das Ganze als Spray- und Web-Aktion zu starten, entstanden im Bezirksjugendausschuss. "Wir sind vom Erfolg überrascht", sagt der gelernte Feinmechaniker. Und eines freut ihn besonders. "Die haben eigentlich genau das als besonders dringlich ausgewählt, was wir ohnehin schon auf der Agenda haben."

Die Top 5 sind im Internet aufgelistet. "Mehr Ausbildungsplätze", diese Forderung erreichte nach zwei Aktionswochen mit 17 Prozent den Spitzenwert. "Lehrmittelfreiheit", also kostenlose Unterrichtsmaterialien, verlangten 14 Prozent, genauso viele stimmten für die "Umlagefinanzierung" – Unternehmen, die nicht ausbilden, sollen zur Kasse gebeten werden. Direkt an die Adresse der IG Metall gehen die beiden Punkte "Mehr Jugendaktionen" und "Aktionsfestivals".

"Wenn da richtig Party ist", würde er sicherlich öfter hingehen zu den IG-Metall-Veranstaltungen, sagt Sebastian Kuhn, der gerade vom Berufsschulunterricht kommt. Er lernt Industriemechaniker bei Knorr-Bremse. In der Münchner Innenstadt wartet der 19-Jährige auf die Straßenbahn vor einer Plakatwand der IG Metall. Draufgeschrieben hat er bislang nichts. Weil er keine dramatischen Probleme habe, sagt er, lediglich das Radioverbot am Arbeitsplatz nervt ihn – "Sieben Stunden an der Fräsmaschine, das ist ganz schön eintönig".

In Sachen Zukunft läuft wenig…