die zeit: Herr Arentz, nach dem Erfolg der CSU bei der bayerischen Landtagswahl haben Sie gefordert, die Union müsse sozialer werden. Nun hat die Herzog-Kommission für die Reform des Sozialstaats Vorschläge gemacht, die in eine andere Richtung weisen: Die Absicherung für Zahnbehandlung und Zahnersatz soll Privatsache sein, der soziale Ausgleich in den Versicherungen verringert werden. Hat niemand auf Sie gehört?

Hermann-Josef Arentz: Warten Sie ab: Bis zum CDU-Parteitag Anfang Dezember werden wir noch Veränderungen und Korrekturen anbringen. Die Union hat bei der Bundestagswahl 2006 nur eine gute Chance, wenn sie für Wirtschaftskompetenz und für soziale Gerechtigkeit steht. Dem Papier der Herzog-Kommission wird es bei den Beratungen in den Parteigremien ergehen wie jedem Gesetzentwurf, der in ein Parlament kommt: Kaum ein Paket geht am Ende so heraus, wie es hineingekommen ist.

zeit: Der Arbeitnehmerflügel der Union fordert eine Bürgerversicherung, die Herzog-Kommission hat sich klar dagegen ausgesprochen. Halten Sie dennoch an Ihrem Vorschlag fest?

Arentz: Ja, weil unser Grundgedanke richtig ist. In einer Zeit, in der die Finanzierung sozialer Sicherheit schwieriger wird, können wir die Probleme nur mit mehr, nicht mit weniger Solidarität lösen. Wir können auf Dauer nicht zehn Prozent der Bürger als Privatversicherte abkoppeln von der Solidarität mit den übrigen neunzig Prozent der Bevölkerung, die Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung sind. Wir wollen deshalb ein System, in dem unterschiedliche Krankenversicherungen, gesetzliche wie private, in Konkurrenz zueinander stehen, bei dem es aber einen Finanzausgleich geben soll zwischen den Versicherungen.

zeit: Private Kassen sollen eine Abgabe zahlen?

Arentz: Ja. In den Niederlanden funktioniert das hervorragend. Ich halte wenig davon, die privaten Kassen abzuschaffen, und ich will auch keine Einheitsversicherung. Bei unserem Modell der Bürgerversicherung geht es darum, dass Starke für weniger Starke, Leistungsfähige für weniger Leistungsfähige einzustehen haben. Das kann man auch erreichen, ohne die Vielfalt von Krankenkassen und Krankenversicherungen zu zerschlagen.

zeit: Privatpatienten werden beim Arzt und im Krankenhaus schneller und oft auch besser behandelt. Soll in Zukunft ein einheitlicher Leistungskatalog gelten?