Hebt Maunzen und Wehklagen an, handelt's sich um Katzenjammer. Selbiger hat die Musikbranche erfasst, insonderheit jenen Zweig mit dem großen U für Unterhaltung: Oh, die böse Brennerei, oh, schon wieder 15 Prozent Umsatzrückgang, wo soll das bloß enden! Nach dem Staat wird gerufen und nach der DVD als neuem Medium, das Rettung verspricht, da Beatles- und Stones-Kamellen, die es schon auf Platte gab, dann auf CD, ein drittes Mal verkauft werden sollen für noch teureres Geld.

Inzwischen ist auch die Kundschaft ergrimmt: Sie kann das alles bald nicht mehr hören!

Voilà, in diesem Moment erscheint auf einem winzigen Berliner Label, Oneonone, eine CD, die Hinweise darauf enthält, was anderswo fehlt (zu beziehen über www.emphaserecords.com). Der Produzent Guido Möbius hat zwölf Solisten zwölf Stücke spielen lassen, auf zwölf Instrumenten. Und warum? Aus reinem Vergnügen.

"Instrumenten" müsste in Anführungsstriche, weil außer Geige und Gitarre auch eine eurasisch bimmelnde Stehaufpuppe namens Dwa Newaljaschki erklingt oder ein Stylofon, so ein uraltes Batterieorgelchen, dessen quäkende Töne mit stromführenden Stiften ausgelöst werden. Oder ein Rhönschlauch, der zum Heulen taugt wie auch als Ratsche, somit Melodie und Rhythmus auf verblüffende Weise in sich vereint.

Die insgesamt 40 Minuten sind irgendwo zwischen Minimal Art, Elektronika und Kinderzimmer angesiedelt, dargeboten von Musikern, die das Rockschema weit hinter sich gelassen haben. Hervorzuheben in dieser durch und durch originellen Versammlung wären vielleicht der Schlagzeuger Ronald Lippok, bekannt von Tarwater, der auf seinem Piece For Hihat Swing aus fast nichts erzeugt. Oder Anne Laplantine, die zwischen Bachscher Fuge und Rummelplatz herumflötet.

Das Eins-zu-eins-Projekt hat vor drei Jahren als Serie von Vinyl-Singles in kleiner Auflage begonnen. Mehr und mehr Musiker fragten an, so ist es gewachsen. So kam auch Tim Tetzner hinzu, der in einer Bremer Schrebergartenlaube auf dem Küchentisch eine Hummel aufnahm, die sich im Cellophan seiner Zigarettenschachtel verfangen hatte. Tetzner macht sonst keine Musik, er ist Plattenhändler in Berlin, Dense, Danziger Straße 28, ein Besuch öffnet die Ohren.

Weder die Hummel noch der Rummel eröffnen die CD, sondern fünf Minuten Maunzen und Wehklagen. Selbst der Produzent fand das "anfangs unhörbar", findet das "auch jetzt noch schwer". Wenn er dieses Stück gleichwohl auf Platz eins gesetzt hat, soll das heißen: Schluss mit dem Pop! Her mit der Katzenmusik!