Eine stabile Stromversorgung hat ihren Preis. Das klingt plausibel, ist aber falsch. Nirgendwo in Europa kostet Strom so viel wie in Italien. Ein mittelgroßer Industriebetrieb muss dort für jede Kilowattstunde gut ein Drittel mehr zahlen als hierzulande; private Haushalte werden sogar noch stärker zur Ader gelassen. Gleichwohl ist die Stromversorgung südlich der Alpen notorisch unzuverlässig. Am vergangenen Wochenende brach das Netz zusammen, ganz Italien saß im Dunkeln. Trotz hoher Strompreise.

Deutschland blieb von den Auswirkungen der notte nera zwar ebenso verschont wie von den vorangegangenen Blackouts an der US-Ostküste, in Skandinavien und in London. Ein Politikum ist die Häufung der Stromausfälle trotzdem – und zwar auch hierzulande.

Die Furcht davor, dass auch bei uns einmal die Lichter ausgehen könnten, nutzen die Platzhirsche der Strombranche schließlich seit langem gern zum eigenen Nutzen – und gegen die seit fünf Jahren erlaubte Konkurrenz. Neuen Anbietern wie Yello & Co verlangen die Exmonopolisten auf Grundlage ihrer staatlich sanktionierten Verbändevereinbarung so hohe Preise für die Nutzung der Stromnetze ab, dass die meisten Neulinge bereits in die Knie gegangen sind. Im Namen der Versorgungssicherheit!

Dieser Zustand ist ein Ärgernis.

Zwar spricht nicht viel dafür, dass Wettbewerb und Sicherheit tatsächlich unverträglich sind. Aber die Blackouts im Ausland geben der hiesigen Regierung Gelegenheit, genau das zu prüfen – und neue Regeln für den Strommarkt zu ersinnen. Aber ehrliche, bitte.

Fritz Vorholz