Wohl in keinem Kunstherbst wurde so intensiv um die Gunst der Sammler und Institutionen gebuhlt wie in diesem. In den beiden kommenden Monaten füllen Berlin, Paris, London und Köln den Terminkalender mit Messen moderner und zeitgenössischer Kunst. Berlin macht mit dem Art Forum (1. bis 5. Oktober, www.art-forum-berlin.de ) den Anfang.

Zum Auftakt gibt es einen neuen Look: Das gestraffte Programm präsentiert sich in den denkmalgeschützten Hallen unter dem Funkturm erstmals auch bei Tageslicht. Leider fehlen auf der Liste der Aussteller aus 24 Ländern einige tonangebende Berliner Galerien – sie haben sich für die Londoner Frieze Art Fair (17. bis 20. Oktober) entschieden. "Das ist bedauerlich, möglicherweise auch kurzsichtig. Aber mit dem Messeauftritt in diesem Herbst ist die Existenz des Art Forums für die nächsten fünf Jahre dennoch gesichert", sagt der Vorsitzende des Zulassungsausschusses, der Galerist Christian Nagel.

Die Fortführung des Art Forums stand nach acht Jahren und teils unbefriedigenden Verkäufen infrage. "Berlin braucht diese Messe", zeigt sich Nagel überzeugt. "Die London-Euphorie wird nicht lange anhalten, weil es dort keinen lokalen Markt gibt." Was ihn allerdings nicht hindert, auch in London teilzunehmen. Auch Harry Lybke von Eigen + Art hält Berlin die Treue. "Wer hier nicht mitzieht, torpediert im Grunde doch nur den eigenen Standort." Denn das Art Forum Berlin ist auf dem besten Wege, sich im kulturellen Geschehen der Stadt zu verankern. Die Eröffnungsfeier in der Volksbühne ist ein Signal, die Kooperation mit dem vom "Hauptstadt Marketing" geförderten kunstherbst ein weiteres.

Über den Hauptstadtbezug hinaus versteht sich das Art Forum Berlin auch als internationale Bühne, deren Attraktivität viele ausländische Aussteller zu schätzen wissen. Allein neun kanadische und drei australische Galerien sind in diesem Jahr dabei. Letztere schlagen eine Brücke zu der im Hamburger Bahnhof stattfindenden Schau Face up – Zeitgenössische Kunst aus Australien. Gut vertreten sind auch die osteuropäischen und skandinavischen Länder, denen das Schwerpunktthema im Messekatalog gewidmet ist. Die von Salzburg und Paris aus international agierende Galerie Thaddaeus Ropac führt die gemeinsam mit der Deutschen Guggenheim Ausstellungshalle produzierte Nutsy’s- Schau von Tom Sachs erstmals auf das Art Forum.

Die Ausstellung spielt ironisch mit Stadtausformungen im Miniaturformat, durch die der Besucher per Videoanimation im Auto hindurchfahren kann. Passend zur Finissage der erfolgreichen Schau zeigt Ropac in einer Einzelpräsentation auf dem Art Forum die neuesten Arbeiten des 1966 geborenen New Yorkers Sachs. Ropac ist sich des Interesses vieler Sammler aus den USA sicher. Ein auf reale Bauten bezogenes Kunstkonzept für Berlin stellt die Galerie Arndt & Partner vor: das City Quartier Domaquaree in Zusammenarbeit mit den Künstlern Stephan Balkenhol und Jeppe Hein. "Geradezu störrisch und stur" glaubt Galerist Matthias Arndt an die innovative Kraft der in Berlin ansässigen Künstler, wenn auch der Umsatz mit Berliner Sammlern gerade mal fünf Prozent ausmacht.

Ein Stück Berlin der siebziger Jahre haben Restauratoren im Auftrag der auf Fotografie spezialisierten Galerie Kicken freigelegt – einen mit 1084 Gelatine-Silber-Prints tapezierten Laufsteg, den Martin Kippenberger der befreundeten Modemacherin Claudia Skoda 1976 in der gemeinsamen WG in einem Kreuzberger Loft gestaltet hatte. Auf diesem Catwalk ließ die Modeschöpferin die Models mit ihren Strickschöpfungen auf- und abstöckeln. Nun können die Messebesucher ihrerseits von umlaufenden Podesten auf das erstaunlich gut erhaltene Werk hinabsehen. Der Wiener Galerist Georg Kargl räumt dem Art Forum, bei dem er im Beirat sitzt, gute Chancen ein, zum Pendant der New Yorker Amory Show aufzusteigen. Er punktet mit Künstlern wie Elke Krystufek, Thomas Locher und Gerwald Rockenschaub. Rockenschaub legt beim Eröffnungsfest in der Volksbühne auch die Platten auf – auf dass alles rund laufe.