liberia Unter fremder FlaggeSeite 2/2

Die Lage ist verzwickt. Angesichts der Zerstörungen in Liberia mögen auch Gegner der Ausflaggungen die deutschen Reeder derzeit nicht mehr auffordern, das liberianische Register zu verlassen. Das Geld könnte später im Land gute Dienste leisten. Doch dafür müssten die Zahlungen ins derzeitige Kriegschaos erst einmal gestoppt werden. Die deutschen Reeder aber wollen ihre Zahlungen nicht auf eigene Faust einfrieren und warten auf einen Beschluss der UN. „Die Reeder haben da keine Einwirkungsmöglichkeiten“, sagt Hans-Heinrich Nöll.

Beim Schifffahrtsregister selbst ist man deutlich bemüht, nach dem Sturz des umstrittenen liberianischen Präsidenten zum Business as usual überzugehen. Um die deutschen Kunden zu umwerben, soll im Oktober in Hamburg eine deutsche LISCR-Dependance eröffnet werden.

Auch die LISCR-Zentrale in Virginia sieht keine Möglichkeit, ihre Zahlungen auf liberianische Regierungskonten vorerst auszusetzen. Der Vorstandsvorsitzende Yoram Cohen verweist auf Anfrage der ZEIT auf die Bemühungen der UN, ein Überwachungssystem über die Verwendung der Schiffsregister-Einnahmen zu installieren. „Wir sehen hier schnelle Fortschritte“, sagt er. Der UN-Sondergesandte für Liberia, Jacques-Paul Klein, dagegen glaubt auch nach Antritt der Übergangsregierung im Oktober nicht an einen schnellen Aufbau verlässlicher politischer Strukturen in Liberia. Allein die Installierung der Friedenstruppe, die die anhaltenden Kämpfe im Land beenden soll, wird nach seiner Schätzung mindestens vier Monate dauern. Derweil fließen Monat für Monat Millionen Dollar aus dem Schiffsregister weiter auf Konten, zu denen Charles Taylors Anhänger Zugriff haben. Wenig Geld angesichts der Summen, die für den Wiederaufbau des Landes gebraucht würden. Aber genug Geld, um eine Bürgerkriegsarmee neu auszurüsten.

 
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