die zeit: Ihr Großvater war KZ-Häftling. Nun kommen Sie zum Studium aus Warschau nach Berlin, ins Land der Täter.

Katarzyna Bialouz: In meiner Familie galt Deutschland nicht als Land der Täter. Mein Opa war in Dachau und in Auschwitz, aber er hat die Deutschen nie in einer Kollektivschuld gesehen. Er hat mir eingeprägt, dass es solche und solche Menschen gibt.

zeit: Wie hat er darauf reagiert, dass Sie nach Deutschland gehen?

Bialouz: Er war sehr glücklich. Er hatte mich selbst über das neue Stipendium für Angehörige von NS-Opfern informiert. Das ermöglicht mir, ein Jahr lang in Berlin zu studieren. Ihm war es immer sehr wichtig, dass sich die Deutschen und die Polen persönlich kennen lernen.

zeit: Nun machen Sie erst einmal einen Deutschkurs mit anderen Stipendiaten, die alle Nachfahren von Nazi-Opfern sind. Verbindet das?

Bialouz: Uns verbindet stärker, dass wir aus Osteuropa kommen. Das gibt uns eine Art von gemeinsamer Identität, weil wir alle in kommunistischen Ländern aufgewachsen sind.

zeit: Reden Sie trotzdem über den Nationalsozialismus?