die zeit: Sie wetten 1000 Dollar darauf, dass bis zum Jahr 2020 durch einen Biounfall oder -anschlag eine Million Menschen ums Leben kommen werden?

Martin Rees: Ja, das ist kein Scherz. In wenigen Jahren wird es eine Menge Leute geben, die gefährliche Viren herstellen können. Die Geräte dafür sind frei zugänglich. Wenn ein gefährlicher Keim sich in einer Metropole wie Casablanca oder Bombay verbreitet, könnte eine Million Menschen sterben.

zeit: In Ihrem jüngsten Buch geben Sie der Menschheit eine Überlebenswahrscheinlichkeit von nur 50 Prozent bis zum Ende dieses Jahrhunderts.

Rees: Ich spreche von der Zivilisation. Dass alle Menschen ausgelöscht werden, ist unrealistisch. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas Schlimmes wie ein Atomkrieg geschieht, beträgt 50 Prozent. Allein die nukleare Gefahr stufen bloß Optimisten als kleiner ein. Rechnen wir mal zusammen, was in Russland und den Vereinigten Staaten in den Waffenarsenalen herumliegt. Verteilt man diese Sprengkraft gleichmäßig auf alle Bürger Europas und Nordamerikas, fällt auf jeden eine Daisy-Cutter-Bombe – jene Munition, die im Afghanistankrieg eingesetzt worden ist. Ich glaube daher nicht, dass meine Prognose zu pessimistisch ist.

zeit: In einem Kapitel skizzieren Sie die Gefahr, dass ein Teilchenbeschleuniger eine Art Schwarzes Loch erzeugen könnte, das den Rest der Welt verschluckt. Ihre Kollegen werden Sie für verrückt halten.

Rees: Diese Gefahr ist so klein, dass wir uns darüber keine Sorgen machen müssen – und doch ist sie ein interessantes Beispiel. Man veranschaulicht eine Situation, indem man den Extremfall annimmt. Hier haben wir eine sehr, sehr kleine Wahrscheinlichkeit für eine sehr, sehr schlimme Katastrophe. Macht man ein physikalisches Experiment und jemand fragt: "Wird das die Welt zerstören?", dann muss man diese Person davon überzeugen, dass die Wahrscheinlichkeit kleiner ist als zum Beispiel eins zu einer Trillion.

zeit: Warum haben Sie ein Buch über all diese Horrorszenarien geschrieben?