Frauen ohne Kopftücher? "Das sind für mich nichts anderes als Huren!", sagt mein muslimischer Kommilitone Umar, im Bonner Hörsaal, vor hiesigen Studentinnen und einem deutschen Dozenten. Die absurde Diskussion um das Kopftuchproblem der afghanischen Frau Ludin initiiert die Erinnerung an nicht mehr zeitgemäße Bilder einer Vorlesung vor 13 Jahren. Ratlos frage ich mich, ob man nichts Venünftigeres zu tun hat oder einfach nur grenzenlos naiv ist, um das Kopftuch so ernst zu nehmen.

Es ist, wie es ist. Islamische Gruppierungen schaffen es alle paar Monate, das deutsche Volk in Atem zu halten. Einmal geht es um eine Moschee mit zehn Lautsprechern neben einer Kirche, ein anderes Mal soll neben einer Schule eine Koranschule aufgebaut werden, und ein weiteres Mal wird gezeigt, wie unmoralisch doch die Lagerung von Lammfleisch neben Schweinefleisch in der Verkaufstheke ist. Ich fragte Muslime in Deutschland, warum der Kopftuchkrieg gerade hier und nicht beispielsweise in Ägypten ausgetragen wird. Der Kampf für Allah unter ungläubigen Christen und Juden gäbe ihnen die Chance, bessere Muslime zu sein. Und es sei ihre Pflicht, die Ungläubigen zum Islam zu bekehren, so wie Fereshda Ludin es bei ihrem deutschen Mann getan habe. Das Kopftuch – also ein Zeichen für islamisches Missionarstum gegenüber Ungläubigen?

Das Frauenbild, das dabei transportiert wird, kann keinem zivilen Mitteleuropäer gefallen. "Die Frau verkörpert in ihrer Gesamtheit das Geschlechtliche", sagt der Prophet Mohammed in den Hadithen. Wo die Scharia gilt, dort bedarf es bis heute der Zeugenaussagen von zwei Frauen, um die Stimme eines Mannes aufzuwiegen. Frauen seien lediglich für die Lust und den Genuss von Männern erschaffen worden, so die Worte meines Gymnasiallehrers im Irak. Oder aber Vers 2 Sure 233 im Koran: "Eure Frauen sind für euch (wie) ein Feld (das ihr bestellt). Darum kommt zu eurem Feld, wann und wie ihr wollt." Die Macht des Mannes über die Frau ist festgeschrieben.

Bärtige Taliban haben in Afghanistan Tausenden Frauen Nase, Ohren und Fingerkuppen abgehackt oder sie ganz hingerichtet. Schwer verletzte Frauen kämpfen Tag für Tag mit den Folgen der Misshandlungen und um ihr Überleben. Aber die in Deutschland lebende Frau Ludin aus Afghanistan verweist stolz auf ihre 60 Kopftücher aus Seide. Ich als Muslim bin davon überzeugt, dass der Islam mehr ist als die Frage des Kopftuchs. Und ich würde mein Kind nicht von einer Kopftuchträgerin unterrichten lassen und möchte auch die Moscheen in islamischen Ländern sehen und nicht in Deutschland. Das Bundesverfassungsgericht hat mit seiner Kopftuchentscheidung erneut seine Ahnungslosigkeit – oder gar Gleichgültigkeit – gegenüber unterdrückten Frauen in islamischen Ländern unter Beweis gestellt.

Wer in Deutschland das Kopftuch in deutschen Schulen und Universitäten toleriert, der sollte auch die Einführung der von der Scharia vorgesehenen Strafen wie Auspeitschung, Amputation und Steinigungen in Betracht ziehen. Und was die Toleranz gegenüber fremden Religionen betrifft, so gibt es natürlich auch Hindus, die möglicherweise die Asche ihrer Toten gern auf dem Rhein schwimmen lassen würden. Im absurden Deutschland ist alles möglich.

Namo Aziz lebt als Publizist in Bonn