Die meisten haben die Bilder noch im Kopf: Eine tonnenschwere Bombe, abgeworfen von der israelischen Luftwaffe auf das Haus des Anführers des militärischen Flügels der Hamas, Salah Schehade, in Gaza, tötet ihn und 14 unschuldige Palästinenser. Darunter Frauen und Kinder. Ein Desaster für das Image einer Armee, die sich gern rühmt, nach "den höchsten moralischen Standards" zu handeln. Es sei für ihn keine leichte Entscheidung gewesen, sagt der Generalstabschef Mosche Ya'alon, aber nachdem man sich monatelang zurückgehalten hätte, habe er den Befehl zum Anschlag gegeben. Wohl wissend, dass zumindest auch die Ehefrau getroffen werden würde.

Drei Monate später ließen nun 27 Piloten eine Bombe ganz anderer Art los. Sie wollten keine gezielten Anschläge mehr ausführen, bei denen unschuldige Zivilisten zu Schaden kämen, schrieben sie vorige Woche in einem Brief, der zum Abzug aus den besetzten Gebieten aufruft. Die dortigen Aktivitäten der Luftwaffe halten sie für "illegal und unmoralisch".

Was im Ausland mit großem Interesse registriert wurde, quittierte die israelische Öffentlichkeit mit breiter Empörung. So heftig, dass einer der Piloten seine Unterschrift mittlerweile wieder zurückzog.

So schnell von der Hand zu weisen ist ihr Protest aber nicht. Immerhin handelt es sich bei den Verweigerern um Piloten, die als Crème de la Crème der Gesellschaft gelten. Auch wenn sich die Mehrheit der Unterzeichner heute nicht mehr im Dienst befindet, so verleiht ihre Biografie - es sind mitunter hoch dekorierte Offiziere - vielen von ihnen besonderes Gewicht.

Mit ihrem unpopulären Brief rühren sie, drei Jahre nach Beginn der bewaffneten Intifada, an ganz grundsätzliche Fragen, die viele Israelis umtreiben. Wohin führt die heutige Politik? Hat die relative Ruhe damit zu tun, dass die Gejagten in Deckung gegangen sind, oder ist es nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm? Kann eine gezielte Tötungspolitik überhaupt Erfolg zeitigen, sofern sie nicht von diplomatischen Initiativen begleitet ist?