Warum bloß geht das Runde immer so schwer ins Eckige, also der Ball ins Tor oder der richtige Kandidat ins Schloss Bellevue. Im Falle des nächsten Bundespräsidenten liegt es nicht etwa daran, dass der zurzeit am häufigsten genannte Kandidat von zu wenigen als geeignet angesehen würde. Vielmehr würde Wolfgang Schäuble bei einer rein sachlichen Abstimmung große Mehrheiten der Union und der FDP sowie große Minderheiten von SPD und Grünen auf seiner Seite haben. Warum geht das Runde dennoch so schwer ins Eckige?

Wegen der liberalen Frauen zum Beispiel. Die fühlen sich nämlich in der FDP eingeklemmt zwischen Honoratioren und anderen Männern. Man kann das verstehen, denn es gibt in keiner anderen Partei so wenig Frauenmacht wie bei den ach so Liberalen. Die einzige bekannte Politikerin an der Spitze der FDP heißt Cornelia Pieper, und die ist eines gewiss nicht: Spitze. So weit, so nachvollziehbar. Nur, was hat das alles mit dem Bundespräsidenten zu tun?

Eigentlich nichts. Doch ist dessen Wahl für alle möglichen Leute eine wunderbare Gelegenheit, allen möglichen anderen Leuten irgendetwas zu demonstrieren. Für die FDP-Frauen zum Beispiel dem FDP-Vorsitzenden ihre Unzufriedenheit. Sie können damit drohen, eine Frau zu wählen, auch wenn sie so Rot-Grün eine Mehrheit verschafften. Also müsste Westerwelle ihnen von sich aus eine Frau vorschlagen. Kann er aber nicht, weil er - nach Schröders und Fischers Hochzeitsschwur - mit der Union wird stimmen müssen. Und die will wohl einen Mann, eben Schäuble.

Nun haben sich Westerwelle und Merkel am vergangenen Sonntag immerhin so weit geeinigt, dass sie gemeinsam einen "bürgerlichen Kandidaten" durchbringen wollen. Der FDP-Vorsitzende möchte also diesmal keine Spiele spielen. Doch will ein anderer umso lieber spielen: Gerhard Schröder. Er könnte eine liberale Frau vorschlagen, Jutta Limbach oder, wenn die nicht will, eine andere. Wenn es dem Kanzler gelänge, so die FDP zu spalten, dann würde offenbar, dass Westerwelle die Partei nicht im Griff hat. Beim vormals schwachen Geschlecht liegt also zurzeit Westerwelles größte Schwäche. Darum müsste er seinen Parteifreundinnen etwas Weibliches anbieten, das nicht eine Bundespräsidentin sein kann. Noch ist ihm da jedoch nichts eingefallen.

Darum geht das Runde so schwer ins Eckige.