Nobelpreis Das ABC Afrikas neu lernen

Literaturn-Nobelpreis für John Marie Coetzee

J.M. Coetzee wurde 1940 in Kapstadt geboren und stammt aus einer alten eingewanderten burischen Familie - womit sein großes Thema, sein Lebensdrama schon benannt ist. Es ist die Unversöhnlichkeit, die das Leben in Südafrika (aber natürlich nicht nur dort) prägt. Es ist die Einsamkeit eines europäisch denkenden, in Afrika lebenden Intellektuellen, die Coetzee (der über Samuel Beckett promoviert hat) erweitert und vertieft. Ein existentialistischer Eiseshauch ist in seinen Büchern, die ihren Helden nie viel Handlungsspielraum geben.

In seinem vielleicht persönlichsten Buch „Schande“ (auf deutsch erschienen im Jahr 2000 im S. Fischer Verlag) ist es ein 52jähriger Literaturprofessor in Kapstadt (auch Coetzee ist Literaturprofessor in Kapstadt), der sich im Ghetto einer südafrikanischen Intellektuellenexistenz nicht enger, nicht einsamer, nicht verlorener vorkommt als irgendwo sonst auf der Welt, wo es Whisky, Computer und die Damen des diskreten Begleitservice gibt. Coetzee hat das Leben dieses Alter Egos mit einigen abgelegten Ehefrauen, jungen Geliebten, guten englischen Büchern und ungezählten Sicherheitsschlössern an Seele und Haustür ausgestattet. Doch die alteuropäische Existenz inmitten Afrikas hat keine Zukunft, sie hat in diesem Roman noch nicht einmal eine Gegenwart. Der Professor wird entlassen, nachdem er mit einer Studentin im Bett war. Er begibt sich in die Diaspora, aufs Land, ins schwarze Afrika, wo seine Tochter eine Hundepension führt. Das Leid der Kreatur macht bald einen stärkeren Eindruck auf ihn als sein eigenes.

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Wie Coetzee überhaupt in seinen Büchern (zuletzt in „Das Leben der Tiere“ auf deutsch im Jahr 2001 erschienen) eine den landläufigen Humanismus weit überschreitende Position einnimmt und sich gegen Schlachthöfe und den Mord an Tieren zum einzigen Zweck, sie zu verzehren, vehement ausspricht. Die eher trockene Verzweiflung, die Coetzee auszeichnet, ist jedoch nicht mit Ausweglosigkeit gleichzusetzen. Am Ende von „Schande“ – der Professor und seine Tochter wurden von Schwarzen überfallen und übel zugerichtet – steht zwar keine Utopie, aber doch ein Lichtblick. Man muss, heißt es dort, noch einmal neu anfangen, ohne Würde, ohne Rechte, ohne Ehre. Man muss das ABC Afrikas neu lernen. Neue Töne finden. Nichts anderes hat J.M. Coetzee in seinem großartigen und reichen literarischen Werk unternommen.

 
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