Der Anspruch klang vermessen. Nach dem Abzug der amerikanischen Truppen aus Berlin 1994 erklärte Richard Holbrooke, damals US-Botschafter, die künftige American Academy solle die militärische Präsenz durch geistige Präsenz ersetzen. In ihrer fünfjährigen Geschichte hat sich die Academy Ehrentitel wie "geistige Luftbrücke" oder "Ankerplatz für US-Intelligenz" erworben. Sie hat damit ihren Gründungsanspruch überzeugend eingelöst und kann auf eine lange Reihe großer Namen wie Arthur Miller, C.K. Williams, Susan Sontag, Jane Kramer zurückblicken, die als Fellows zu ihr kamen. Sie besticht nicht nur durch ihren Geist, sondern auch durch Charme. Jede Semestereröffnung und Vorstellung der Fellows ist ein gesellschaftliches Ereignis. So fanden sich unter ihren Gästen auch Henry Kissinger, Johannes Rau, Otto Schily, Richard von Weizsäcker und Heinz Bergengruen – eine Bühne für den transatlantischen intellektuellen Austausch.

Die Stipendiaten bieten nicht nur an 200 Abenden im Jahr Hintergrundgespräche, wissenschaftliche Debatten und Konzerte an. Sie spielen eine Rolle in der Stadt, werden wieder eingeladen, als Komponisten in die Philharmonie, als Wissenschaftler in das Wissenschaftskolleg. "Wir sind ein Modell für bürgerliches Engagement", sagt der Geschäftsführende Direktor Gary Smith, ein Virtuose der Vernetzung.

Bürgerlich ist das Selbstverständnis. Als der Deutsche Bundestag der Academy eine Zuwendung von immerhin einer Million Mark anbot, lehnte ihr Führungsgremium aus prinzipiellen Gründen ab. Dabei muss die American Academy sehr wohl um Sponsoren kämpfen. Noch deutlicher signalisiert ihr zweites Gründungspostulat die Absicht, ins städtische Leben Berlins hineinzuwirken: Sie will "neue Traditionen" schaffen und zugleich an die Zeit der zwanziger Jahre anknüpfen, in der es schon einmal eine gleichnamige Institution gab.

Vielleicht verkörpert diese Kontinuität am besten der greise Hans Arnhold, dessen Bankhaus Nazideutschland verlassen musste und in New York weitermachte. Die Arnholds wurden nach 1933 aus der Villa in der Nähe des Wannsees vertrieben, in der die heutige Academy residiert. Die Erben halten drei Millionen Dollar Stiftungsvermögen der Academy. Die Vision eines Bürgertums leuchtet da auf, das Berlin so bitter fehlt. Nicht die US-Botschaft in Berlin, sondern die American Academy hat sich zum festen Treffpunkt der amerikanischen Elite entwickelt. Robert H. Mundheim, ihr Präsident, repräsentiert sie, hoch engagiert, weltweise und zugleich diskret. In seiner Person verbinden sich Erfahrungen in Schlüsselfunktionen von Wirtschaft, Regierung und Wissenschaft.

Die Academy kann, selbstbewusst und elitär, amerikanische Kultur lebendig vermitteln. Das macht sie in Zeiten mancher antiamerikanischen Verstocktheit zum Politikum. Zum Jubiläum steht fest: Die American Academy ist ein Erfolg. Sie wird auch weiterhin dringend gebraucht.