die zeit: Herzlichen Glückwunsch! Du hast bei dem vom Klett Verlag initiierten Schüler-Rezensionswettbewerb Preis junge Kritiker den zweiten Platz gemacht. Darf man dich den jungen Reich-Ranicki nennen?

Philipp Oser: Bitte nicht, so sympathisch ist mir der Mann nicht. Er schreibt zwar großartige Bücher, aber im Fernsehen tritt er mir ein bisschen zu selbstbewusst auf.

zeit: Du hast den Roman Zwölf von Nick McDonell rezensiert. Der Autor ist 17, gerade mal ein Jahr älter als du. Hättest du dich auch an einen älteren Autor rangewagt?

Oser: Ich hätte einen Autor von 9 bis 99 Jahren kritisiert. Wie gut jemand schreibt, hat für mich nichts mit dem Alter zu tun. Aber an Bertolt Brecht zum Beispiel hätte ich mich nicht rangetraut.

zeit: Warum so ängstlich?

Oser: Bei so einem großem Autor muss man schon einiges über das Leben und das Gesamtwerk wissen. Sonst kann man das Buch ja nicht richtig einordnen.

zeit: Wie fällt deine Kritik über den Roman Zwölf aus?