DIE ZEIT: In der Bundesregierung herrschen derzeit höchst widersprüchliche Auffassungen zur grünen Gentechnik. Landwirtschaftsministerin Renate Künast möchte sie weiterhin ausbremsen, die Minister für Forschung und Wirtschaft, Edelgard Bulmahn und Wolfgang Clement, dagegen fördern diese Zukunftstechnik. Das Ende des EU-Moratoriums erfordert nun klare Entscheidungen. Wohin fährt der deutsche Zug?

Wolf-Michael Catenhusen : Die Richtung gibt die Europäische Union vor. Mit der Aufhebung des Moratoriums sind wir gezwungen, deren Freisetzungsrichtlinie eins zu eins umzusetzen. Diese bietet nur sehr wenig Spielraum für nationale Sonderwege.

ZEIT: Doch genau einen solchen Sonderweg mit hohen Hürden für die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen strebt Renate Künast an.

Catenhusen: Tatsächlich wissen alle, wie klar das EU-Recht ist. In der Praxis stellt sich allerdings die Frage, mit welchem Eingangssignal an die eigene Klientel man in den notwendigen Klärungsprozess hineingeht.

ZEIT: Die Grünen haben sich in der Koalition die Federführung erkämpft für das Gentechnikrecht und möchten nun die Ampel auf Rot halten.

Catenhusen: Gewiss gibt es erhebliche Unterschiede in den Auffassungen der Koalitionspartner. Doch diese werden wir möglichst rational lösen müssen. Dabei wird es vor allem für die Grünen ein schwieriger Balanceakt. Denn sie müssen ihre Wähler zufrieden stellen, aber auch gleichzeitig kompromissfähig bleiben.

ZEIT: Wo sieht das Forschungsministerium beim Schmieden von Kompromissen Grenzen?