Nach genau dreißig Jahren hat sich im Nahen Osten der Jom-Kippur-Krieg als Farce wiederholt: Auf ein Attentat mit vielen Opfern in Haifa folgte ein Vergeltungsschlag auf ein Ausbildungslager für palästinensische Kämpfer in Syrien. Mit dem Angriff vor den Toren von Damaskus hat Israel die Spielregeln im Kampf gegen den Terror geändert.

Die Regierung will ein dreifaches Signal aussenden. Erstens: Wer Terroristen Schutz gewährt, soll selbst vor Angriffen nicht geschützt sein. Zweitens: Die Führer von Terrororganisationen wie dem Islamischen Dschihad, der sich zu dem Anschlag in Haifa bekannte, dürfen sich in Damaskus nicht länger sicher fühlen. Drittens: Syriens Präsident Assad war es in der jüngsten Zeit gelungen, sein Land aus dem grellen Licht der Antiterror-Suchscheinwerfer zu ziehen. Die israelischen Anschuldigungen sollen nun die Amerikaner, aber auch andere UN-Mitgliedsstaaten zwingen, das Land genauer zu beobachten. Schon lange sieht die Jerusalemer Regierung Syrien als Bindeglied in einer Allianz Teheran-Damaskus-Gaza.

Assad igelt sich nun in Opferpose ein. Er nannte den israelischen Angriff einen gescheiterten Versuch, die regionale Schlüsselrolle Syriens auszuhöhlen und sein Land in den Nahost-Konflikt hineinzuziehen. Weil ein offener Schlagabtausch mit Israel zu viele Risiken birgt, gewährt er stattdessen der Hisbollah an der libanesisch-israelischen Grenze Freischüsse auf Israel. Ein großer Krieg jedoch ist noch nicht in Sicht - vorausgesetzt, dass die neuen Spielregeln nicht zur Routine werden.