die zeit: Herr Minister, in Nordrhein-Westfalen leben die meisten Muslime. Dürfte dort eine Lehrerin an einer staatlichen Schule ein Kopftuch tragen?

Wolfgang Gerhards: Ja, wir haben auch schon einige Fälle, und bislang hat es damit im Schulalltag kein einziges Problem gegeben.

zeit: Trotzdem wird auch in Ihrem Bundesland über ein Kopftuchverbot gestritten.

Gerhards: Ich bin gegen ein generelles Verbot. Im Kern geht es doch um die Frage, ob die jeweilige Lehrerin nur für sich persönlich ihre Religion lebt oder ob sie darüber hinaus missionieren und indoktrinieren will. Diese Frage können wir nur von Fall zu Fall beurteilen und lösen.

zeit: Aber missioniert nicht schon allein das Kopftuch? Steht es nicht für Zwang und Unterdückung?

Gerhards: Dieses Urteil ist mir zu pauschal. Wir schauen nicht nach, was im Kopf unter dem Tuch steckt, sondern deuten den Stoff von vornherein nur in eine Richtung. Die Vorstellung, dass jede Frau, die ein Kopftuch trägt, entweder selber indoktrinieren will oder von ihrer Familie, ihrer Religion oder den Geistlichen missbraucht wird, ist zu eng. So machen wir die Frauen zum Objekt unserer eigenen Ängste und Befürchtungen – ohne genau hinzusehen.

zeit: Der Zwang zum Kopftuch ist aber dokumentiert.