Vorbei die Zeiten, in denen die zehntausendjährige Domestikation des Hausrinds (Bos taurus) aus dem Ur (Bos primigenius) als Erfolgsgeschichte gefeiert werden konnte. Längst macht man die Kühe zu Hauptverantwortlichen für die Zerstörung der Regenwälder: Damit sich die gefräßigen Vegetarier ihre Pansen voll schlagen können, mussten die Bäume dran glauben.

Genauso sind sie an der Klimakatastrophe schuld. Jedem der weltweit 1,4 Milliarden Rindviecher entfährt beim Wiederkäuen im Durchschnitt alle 40 Sekunden ein Bäuerchen. Macht pro Jahr 80 Millionen Tonnen Methan. Dieses Gas in der tierischen Abluft heizt dem Klima 32-mal so viel ein wie die gleiche Menge Kohlendioxid, das uns Menschen als Abgas entfährt.

Auch medizinisch gefährden Kühe unsere Existenz: Der BSE-Erreger nagt am Menschenhirn, Beefburger lassen unsere Kinder verfetten, und die Lactoeiweiße in Kuhkäse und -milch stürzen Allergiker ins Elend.

Es war also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Kuh zu allem Elend auch politisch-gesellschaftliche Katastrophen zu verantworten hat. Nun ist es so weit. Die Kühe sind schuld am Niedergang des Matriarchats, sagen die Anthropologinnen Clare Holden und Ruth Mace vom Londoner University College in einer Vorveröffentlichung des Fachblatts Proceedings of the Royal Society B. Seither hat sich das Patriarchat in fast allen Ecken der Erde breit gemacht – und uns die verheerende Liaison von Kuh und Mann beschert.

Das ging so: In der weiblich geprägten, Pflanzenzucht betreibenden Gesellschaft wurde der Besitz über die mütterliche Linie vererbt. Aus gutem Grund: Nur Frauen können sicher sein, dass der Nachwuchs auch wirklich der Ihre ist. Mit der Viehzucht änderte sich die Erbfolge. Aus noch besserem Grund: Die wertvollen, aber leichter zu klauenden Herden konnten am besten von den Söhnen vor Dieben geschützt werden. Der männliche Nachwuchs garantierte den Erhalt des Reichtums. Diese Perspektive war stärker als das Risiko, dass der Besitz an einen genetisch Fremden übergehen könnte.

Die Wissenschaftlerinnen wurden in Afrika fündig. Sie betrieben dort sprachgeschichtliche und archäologische Studien. Die Befunde bestätigten sie zudem mit Feldforschungen bei Bantu-Völkern, die erst vor kurzem die Viehzucht aufgenommen hatten. Die Chewa leben noch im Matriarchat, bei den Gabbra sind schon Patriarchen am Zug.

Nicht die Muskeln, nicht das größere Hirn, nicht seine Rücksichtslosigkeit und Aggressivität haben dem Mann die Macht verliehen. Es war das Rindvieh. Sollten die Zeiten des Matriarchats, wie von Feministinnen gern gepredigt, tatsächlich friedlicher gewesen sein, dann ist die meist friedlich grasende Kuh auch an Kriegen schuld. Prüfen wir einmal die These und denken an den US-Präsidenten. Wo kommt er her? Aus einem Kuhstaat!