die zeit: Herr Kundrun, wie oft haben Sie in den vergangenen Tagen an Ihrer Zeitungsstrategie gezweifelt?

Bernd Kundrun: Überhaupt nicht.

zeit: Eigentlich müssten Sie das. Beim Heinrich Bauer Verlag grämt man sich, weil es mit dem Kauf des Berliner Tagesspiegels nicht geklappt hat. Ihre Tageszeitungen dagegen sind fast alle hoch profitabel. Dennoch wollen Sie sich von ihnen trennen.

Kundrun: Gruner+Jahr ist vor allem ein Zeitschriftenhaus. Wir streben in allen Zeitschriftensegmenten, in denen wir vertreten sind, führende Positionen und womöglich auch die Marktführerschaft an, national wie international. So etwas erfordert hohe Investitionen und ein fokussiertes Management. Würden wir an unseren Zeitungen festhalten, müssten wir, um in der gegenwärtigen Konsolidierungsphase mithalten zu können, auch dort viel Geld investieren. Das würde aber den gleichzeitigen Ausbau der Zeitschriftensparte verhindern. Wir würden uns verzetteln.

zeit: Ausgerechnet die einzige Zeitung, die Sie behalten wollen, ist hoch defizitär – die Financial Times Deutschland (FTD).

Kundrun: Da muss man differenzieren. Titel, die ihre Reiseflughöhe erreicht haben, müssen Geld verdienen. Neue Titel, die ihre Marktposition erst erreichen müssen und noch stark wachsen, sind dagegen Investitionsobjekte. Alle neuen Blätter machen erst mal Verluste, das gilt auch für die FTD. Mit profitablen Titeln wie der Sächsischen Zeitung darf man sie nicht vergleichen.