die zeit: Bisher wurden die Wettbewerbshüter der EU-Kommission hoch geachtet. Wegen ihrer Unnachgiebigkeit galten sie als die Vorzeigebeamten der EU, und die Wettbewerbspolitik war das Glanzstück der Union. Nun aber kassiert der Europäische Gerichtshof eine Entscheidung nach der anderen. Was läuft schief?

Karel Van Miert: Erst einmal ist es ganz normal, dass bei weit über 2000 Fällen einige vor Gericht angefochten werden und die Kommission hin und wieder einen Prozess verliert. Ich bin eher erstaunt, dass ihr so wenig Fehler unterlaufen.

zeit: Sie machen es sich und den heutigen Kollegen reichlich einfach.

Van Miert: Denken Sie zurück. Vor Gericht werden jetzt Fälle aus den neunziger Jahren verhandelt. Damals standen wir mit viel zu wenigen Leuten einer riesigen Fusionswelle gegenüber und mussten sehr viele, sehr komplizierte Entscheidungen fällen. Meine Leute haben nachts durchgearbeitet, um das zu schaffen. Zum Teil betraf ihre Arbeit politisch heikle Fragen wie die Debatte über Beihilfen für VW oder unsere Auflagen bei der Fusion von Boeing und McDonnell Douglas

zeit: …oder den Taca-Fall, der vom Gericht in der vergangenen Woche zugunsten der Kläger entschieden wurde. Da hatte die Kommission eine hohe Geldstrafe gegen ein Kartell aus Schifffahrtsunternehmen verhängt, und die Richter haben die Strafe aufgehoben.

Van Miert: Ja, leider. Für diesen Fall war ich übrigens damals zuständig, da sollte man heute nicht meinen Nachfolger Mario Monti beschimpfen. Ich glaube immer noch, dass wir da alles richtig gemacht haben.

zeit: Der Vorwurf der Richter lautet: schlampige Arbeit.