1924 instrumentalisierte Man Ray den Rücken seiner Geliebten für eine seiner berühmtesten Fotografien: Le violon d'Ingres. Sophie Ristelhueber pervertiert Man Rays entzückenden Rücken: Auf ihrer überlebensgroßen Schwarzweißfotografie aalt sich eine monströse Narbe die Wirbelsäule einer Frau hinunter. Das Werk bildet die Ausnahme in der gefälligen Ausstellung nackt! im Frankfurter Städel, die sich dem weiblichen Akt widmet (bis zum 11.

Januar 2004). Im Mittelpunkt der Schau mit dem knackigen Titel, die nach Rembrandt Rembrandt der nächste Städel-Hit werden soll, steht Ernst Ludwig Kirchners Akt mit Hut von 1910. Das Bild zeigt Kirchners damalige Lebensgefährtin Doris Große, wie sie mit nichts als roten Schuhen an den Füßen und einem Hut auf dem Kopf breitbeinig dasteht und "Is was?!" zu nölen scheint. Dass sie keine Kleider trägt, ist zweitrangig, steht sie doch da, als hätte sie welche an. Ohnehin sind es viel weniger die inszenierten Körper der Frauen als deren Blicke, die den Betrachter anziehen. Alle sind sie nackt - um des Aktes willen. Ganz anders die erfrischend lebendigen Weiber in der Videoinstallation von Katarzyna Kozyra. Im Budapester Gellert-Bad mit versteckter Kamera aufgenommen, sind sie die Einzigen in der Schau, die nicht wissen, dass sie gesehen werden. Und das sieht man ihnen natürlich an.