Wenn Silvio Berlusconi der erste Harald-Schmidt-Preis für diplomatische Finesse gebührt, verdient Jacques Chirac den zweiten. Der hatte weiland die "Neu-Europäer" als "schlecht erzogen" abgekanzelt: Polen et alii hätten lieber schweigen sollen, als sich für den Irak-Krieg stark zu machen (was auch Italien und Spanien getan hatten, aber die waren doch etwas zu groß für le grand Jacques). Diesmal, auf der EU-Regierungskonferenz zu Rom, geriet die Beschimpfung vom Februar zur kaum verhüllten Drohung.

Indirekt las sich das so: Wenn die Herren und Damen Osteuropäer weiter wider den Verfassungsentwurf nörgelten, dürften sie ihre Finanzhilfen vergessen.

Wörtlich: "Ich weiß nicht, wer es sich erlauben kann, die Verfassung zu blockieren." Der Aufschrei der bereits aufgerauten Seelen war so laut wie voraussehbar. Warschau wie Madrid wollen keine Verfassung, die ihnen weniger Stimmen im Europäischen Rat einräumt, als ihnen vor drei Jahren in Nizza zugesprochen worden war.

Europa wird sich wie immer irgendwie durchwursteln. Oder auch nicht - wenn Paris weiter so ungeniert den Taktstock (sprich: Knüppel) schwingt. Groß ist die Angst vor der "Hegemonialmacht", die aber diesmal nicht USA heißt, sondern Frankreich. Die Sache hat auch eine ganz praktische Seite: Jeder Ausbruch von Jacquismus stärkt die anti-europäischen Kräfte jenseits der Oder. Dass aber Europa gelingt, ist vor allem ein deutsches Interesse - das im Munde Chiracs nicht immer am besten aufgehoben ist.