Das Format ist klein, die Technik fein, die Qualität hoch. Alle drei Jahre macht sich in der Auvergne eine Messe zwei Monate lang für die zeitgenössische Grafik stark. 18 Städte und Städtchen wie Aubière, Volvic, Clermont-Ferrand oder Vichy sind dann der Schauplatz der 6. Triennale Mondiale d’Estampes Petit Format. Rund 4000 Druckgrafiken "kleinen Formats", nicht größer als DINA4, von mehr als 500 zeitgenössischen Künstlern aus aller Welt werden dort in Museen, Bibliotheken und anderen öffentlichen kulturellen Institutionen ausgestellt und verkauft, die besten schließlich Ende November prämiert.

Die örtlichen Galerien hängen sich dran an die von der Association Mouvement Art Contemporain de la Ville de Chamalières (AMAC) seit 1988 veranstalteten Nonprofit-Veranstaltung, die auch dieses Jahr von ihrem Förderer, dem früheren französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing, eröffnet wurde. Das Fest der zeitgenössischen Grafik fußt auf einer ungewöhnlichen Kombination von Vermarktungsstrategie und Informationstransfer. 44 Juroren fahndeten rund um den Globus nach hundert jungen Talenten. Je vier grafische Blätter einer Auflage werden pro Künstler gezeigt und zum Verkauf angeboten. Die Künstler erhalten abzüglich der Steuern den vollen Erlös, da die Associaton keinen Gewinn machen darf.

Ein fünftes Blatt stellen die Produzenten den Veranstaltern für eine Wanderausstellung zur Verfügung. Ausgesuchte Institutionen in Taiwan oder Portugal, auch die französische Botschaft in Washington und das Museum im brandenburgischen Wittstock haben die alle drei Jahre neu zusammengestellte fix und fertig gerahmte Schau gegen die Kosten von Transport, Versicherung und einer Begleitperson zeigen können.

Über das aktuelle, 547 Blätter umfassende Konvolut verhandelt das Team der Triennale jetzt mit Partnern in Australien, Singapur, Indonesien und den Philippinen. Und so werden die auf Zeit zusammengetragenen Werke wieder in andere Teile der Welt geschickt und bekannt gemacht. Der begleitende Katalog mit vielen Abbildungen gilt bei allen mit dem Thema befassten Ausstellungsmachern und Sammlern wegen seiner vielen Informationen fast schon als Standardwerk der zeitgenössischen Grafik.

Eine führende Rolle in der Organisation der Triennale spielt die aus Schwaben stammende Kunsthistorikerin Lia Grambihler, die in den fünfziger Jahren in die Galerie von Raymond Duncan in Paris einstieg. Später führte sie die Galerie des Bruders der Tänzerin Isadora Duncan bis 1996 weiter. Seit dieser Zeit hat sie bereits viele Kontakte zu Künstlern aufgebaut, die sie als Jurorin für die Länder Neuseeland, Australien, Indien, Tibet, den Sudan, Tansania, Nigeria, Kamerun und Bolivien prädestinieren. Die Galerie war jahrelang die Anlaufstelle für viele von ihren Regimen ungeliebte und verfolgte Künstler. "Für die Reduzierung auf das kleine Format", erzählt Lia Grambihler, "sprach die Tatsache, dass vieles, was größer war und in Rollen verschickt wurde, auf dem Postweg verschwand." In unauffälligen Umschlägen im Normformat gibt es seitdem kaum nennenswerte Verluste. Mit kleinem Budget und großem Engagement wird die Triennale gestemmt, Geld für ausgedehnte Reisen gibt es nicht. Die Juroren scouten per Telefon, Fax, Internet, per Boten und den altmodischen Postweg.

Die Veranstaltung hat sich nicht nur als Treff und Börse für Interessenten aktueller druckgrafischer Techniken und junger Ausdrucksweisen etabliert. Bis Ende November werden in den 18 Orten mit einer Ausstellungseröffnung nach der anderen viele Sammler und Künstler erwartet, die Kontakte knüpfen und sich austauschen können.

"Die Triennale vorzubereiten", sagt Lia Grambihler, "war diesmal extrem schwierig. Der Irak-Krieg und die damit verbundene Verunsicherung in Ländern des Nahen und Fernen Ostens war enorm groß." Doch es hat wieder alles funktioniert, und die 6. Veranstaltung ist die umfangreichste ihrer Geschichte. 1988 hatte sie mit 1500 Arbeiten von 228 Künstlern aus 40 Ländern in dem Thermalbad-Städtchen mit auvergnatisch-romanischer Kirche ambitioniert begonnen. Dort hatte auch Giscard d’Estaing als Bürgermeister seine Karriere gestartet. Seriöse Institutionen können sich um die Wanderausstellung bewerben. Kontakt: Lia Grambihler, 97, Bd. Victor Hugo, F-92110 Clichy, Tel/Fax: 00331/42707352, E-Mail: ville.chamalieres@wanadoo.fr .