Roman Geplauder mit Mädeln

Marcus Brauns aufreizend nichtssagende „Hochzeitsvorbereitungen“

Der Titel des neuen Romans von Marcus Braun liegt wie ein mildes Urteil über seiner Hauptfigur. Hochzeitsvorbereitungen. Man kann sich tatsächlich kaum vorstellen, dass Leon, dieser nette Junge, eine andere Zukunft hat, als bald mit nachdenklicher Souplesse einen Kinderwagen zu schieben. Am besten an einem Sonntagvormittag, in einer mäßig schicken Gegend einer mittelgroßen Stadt, während die Kindsmutter frühstücken geht.

Es ist eine schöne Kunst, über zweihundert Seiten lang von einer Figur zu erzählen, ohne der Versuchung zu erliegen, ihr irgendeine Tiefe zu geben. Marcus Braun, einem der Eleganteren unter den jüngeren deutschsprachigen Schriftstellern, ist das gelungen. Wenn man so will, hat er ein Buch über beinahe Nichts geschrieben.

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Zuerst möchte man das mit dem Alter von Leon, Freund Kranach und deren Freundinnen erklären. Ist es nicht klar, dass ein junger Mann nach dem Abitur und vor dem Studium keine anderen Sorgen hat als diesen Zivildienst und die Mädels von Birgit bis Babette?

Leon ist ein echter Taugenichts, er kennt nicht Wackersdorf noch Attac. Wobei, das gehört zur luftigen Machart des Texts, nicht ganz klar wird, in welcher Zeit er spielt.

Oft liest man ihn wie eine ferne Jugenderinnerung des zweiunddreißig Jahre alten Schriftstellers, dann aber heißt es in der Gegenwart des Romans plötzlich, ein Schulkamerad sei jetzt „hessischer Korrespondent einer Internetzeitung“. Die gab es 1991 wohl noch kaum. Also muss das Werk doch von der näheren Vergangenheit handeln? Und wieder sucht man nach Indizien irgendeiner Zeitgenossenschaft vergebens.

Ort der Handlung des Pflegedienstlehrgangs, in dem Leon grüne Tücher falten darf, ist die Kleinstadt Willich am Niederrhein. Und dort gibt es wirklich schlimme Erlebnisse für ihn. Erstens sind die Girls beinahe so hart wie er. „Lena hat lange braune und gegen Ende goldene Locken, Haare bis zum Hintern fast, wenn sie den Kopf in den Nacken legt. Ebenmäßige, unwahrscheinlich weiße Zähne. Eine richtige Piratenbraut.“ Weil die harmlose Lena im wirklichen Leben aber nur die Tochter eines Winzers ist, deutet nichts als das Wort „Hintern“ auf eine Existenz als Piratenbraut. Etwas aufregender sind Natasha, die die Beine erfreulich selbstständig hoch macht, und Dédé, sie hat richtig schwarze Haut. Als Dédé Leon und einem Freund zum ersten Mal begegnet, sagt sie, ohne dass schon Peep-Gelegenheit beständen hätte: „Haben euch unsere Höschen wenigstens gefallen?“ Die Stimme der irritierenden Schwarzen bei dem Satz ist „leise, dunkel, eine Spur vulgär, so wie es am besten ist“.

Ein Mann, der sich für nichts als Liebe interessiert

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  • Serie belletristik
  • Quelle (c) DIE ZEIT 09.10.2003 Nr.42
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  • Schlagworte Roman | Literatur | Niederrhein | MIT | Wackersdorf | Berlin
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