Roman Geplauder mit MädelnSeite 2/2

Leichtgewichtige Romane haben das Problem, dass Leichtgewichte nicht weit tragen. Es fehlt ihnen an Ereignissen, Gedanken oder wenigstens ein paar Schocks, die dem Leser mitteilen: Dran bleiben. Umso mehr gefällt bei Braun eine Nebenfigur, die auftritt wie ein Bote aus der bösen Wirklichkeit. Ein Arzt stört Leon sehr: Er sagt beim Anblick einer betäubten Patientin: „Da haben wir ja wieder ein ganz schönes Schwein auf der Pfanne.“ Oder: „Wie habt ihr denn die betäubt, die kriegt wohl schon von Natur aus nichts mit.“ Leon kommentiert tiefsinnig: „Der Arzt findet das lustig.“ Der Arzt setzt eins drauf. Die Frau ist dick: „Vielleicht stoßen wir heute noch auf ein paar Knochen in dem Sumpf.“

Nicht, dass solche Sätze besonders schön wären, aber sie leisten etwas Widerstand gegen allzu flüssiges Lesen. Man merkt an ihnen, dass ein paar mehr davon diesem netten Buch durchaus fehlen. Originell daran ist vielleicht, dass sich hier ein Mann nur für Liebe interessiert. Nichts gegen solche Taugenichtse, aber Arno Geigers Kleine Schule des Karussellfahrens war fantasievoller.

Marcus Braun leistet mit Hochzeitsvorbereitungen eher einen schön ziselierten Beitrag zur bekannten Diskussion: Gibt es in Deutschland überhaupt noch Probleme, die jungen Autoren sagen so gar nichts Böses mehr? Dennoch, das Werk mobilisiert auch ungeahnte Kräfte: Die Zielgruppe soll sich ob der Ähnlichkeiten mit dem idyllischen Helden wohl schämen und das Werk mit dem Nutella-Messer an die Wand heften.

π Marcus Braun: Hochzeitsvorbereitungen

Roman; Berlin Verlag, Berlin 2003; 234 S., 18,– ¤

 
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  • Serie belletristik
  • Quelle (c) DIE ZEIT 09.10.2003 Nr.42
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