Wovon Arbeiter und Angestellte nur träumen können, ist für selbstständige Landwirte Realität: eine überwiegend staatlich finanzierte Mindestsicherung im Alter – und zwar unabhängig vom Vermögen. Diese beträgt derzeit 478,43 Euro für den Unternehmer plus 212 Euro für seinen Ehegatten. Anspruch darauf haben grundsätzlich alle Landwirte, die mindestens 65 Jahre alt sind, ihren Betrieb abgegeben, das heißt beispielsweise verkauft oder verpachtet haben und mindestens 15 Pflichtversicherungsjahre nachweisen.

Versicherungsrechtlich gelten dabei nicht nur Bauern als Landwirte, sondern unter anderem auch Fischer, Imker und Wanderschäfer. Sie alle sind Pflichtmitglieder in der Alterskasse für Landwirte – anders als sonstige Selbstständige, denen es freisteht, ob sie sich bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) versichern oder lieber privat vorsorgen. An die Alterskasse zahlt ein Landwirt monatlich einen Beitrag von 198 Euro, für Ehepaare verdoppelt sich die Summe.

Schon bei der Beitragszahlung greift der Staat vielen unter die Arme. Wer etwa weniger als 8220 Euro im Jahr an Einkommen hat, muss für die Versicherung nur 79 Euro aufbringen. Je 520 Euro Mehreinkommen verringert sich der Beitragszuschuss um je 8 Euro. Wer mehr als 15500 (bei Ehepaaren 31000) Euro jährlich verdient, erhält keine Unterstützung. Diese Finanzhilfe kostete Berlin im vergangenen Jahr insgesamt 150 Millionen Euro.

Doch das ist ein Klacks im Vergleich zu dem, was der Bund den rund 600000 Landwirten im Ruhestand für die Absicherung im Alter spendiert: Mit 2,3 Milliarden Euro finanziert er inzwischen annähernd 80 Prozent der Rentenausgaben der landwirtschaftlichen Alterskassen. Zum Vergleich: Der gesetzlichen Rentenversicherung für Angestellte und Arbeiter gewährt der Staat aus Steuermitteln einen Zuschuss von knapp 30 Prozent. Und in den nächsten Jahren wird die Subvention für die Bauernrenten noch steigen. Denn während in der gesetzlichen Rentenversicherung für Arbeiter und Angestellte noch immer rund zwei Aktive auf einen Rentner kommen, ist das Verhältnis bei den landwirtschaftlichen Kassen inzwischen nahezu umgekehrt: Rund 330000 Beitragszahlern stehen knapp 600000 Rentenempfänger gegenüber. Noch 1985 war dieses Verhältnis immerhin eins zu eins. Nach allen Prognosen wird es sich weiterhin rapide verschlechtern.

Während die anderen gesetzlichen Renten jedoch kräftig gekappt werden sollen, bleibt die teure Altersversorgung der Landwirte von den Reformanstrengungen der rot-grünen Regierung verschont. Generelle Kürzungen seien, bestätigt der Pressesprecher der Spitzenverbände der landwirtschaftlichen Sozialversicherung, Albert Münz, bislang nicht vorgesehen – und das, obwohl dank der Steuermilliarden viele Landwirte im Alter schon heute deutlich besser gestellt sind als andere Arbeitnehmer mit vergleichbarem Einkommen.

Wer etwa 8220 Euro verdient und in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, hat nach 15 Jahren nur eine Rente von 110 statt 478 Euro. Und 30 Jahre müsste der Ehepartner bei gleichem Einkommen versichert sein, um Anspruch zu haben auf eine Rente von 212 Euro, der Ehegattenrente für Landwirte.

Marie-Luise Hauch-Fleck