Die einzigen Öffnungen im Rundhaus von Lungiswa Pikinini in KuJonga sind ein Spalt unter dem Dach und die niedrige Tür. Fenster oder einen Kamin sucht man vergeblich – obwohl in dem Raum häufig über offenem Feuer gekocht wird. Kein Wunder, dass Decke und Wände schwarz verrußt sind. Hier breiten nachts die Kinder ihre Bastmatten zum Schlafen an der noch warmen Kochstelle aus. Das mag idyllisch aussehen, bedeutet aber für Familie Pikinini ein tödliches Risiko. Von offenem Feuer steigen Kohlenmonoxid, Stickoxide, Formaldehyd und Dutzende weitere giftige Kohlenstoffverbindungen auf und verpesten die Luft – dadurch drohen chronische Bronchitis, Asthma und als Folge davon Lungenkrebs und Tuberkulose.

So wie in dem abgelegenen Dorf in der südafrikanischen Eastern-Cape-Provinz sieht es häufig in der Dritten Welt aus. Denn die Hälfte der Weltbevölkerung kocht heute noch mit Holz, Holzkohle oder Dung, im ländlichen Afrika sind es bis zu 90 Prozent. Nur bei gutem Wetter stehen die gusseisernen Töpfe über offenen Feuern im Freien, im Winter und bei Regen wird drinnen gekocht und gegessen. Das hat dramatische Folgen für die Gesundheit. Insgesamt fast 40 Millionen gesunde Lebensjahre, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), gehen Jahr für Jahr durch das Kochen und Heizen mit offenem Feuer verloren (siehe nebenstehenden Kasten). In den Entwicklungsländern ist der häusliche Smog damit das viertgrößte Gesundheitsrisiko – nach Unterernährung, Krankheitsübertragung durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und verseuchtem Wasser.

Der Rauch tötet lautlos. Betroffen sind die ärmsten Menschen auf dem Land und in den Slums der Großstädte und unter ihnen wiederum Frauen und vor allem die Kinder. Ihren kleinen Lungen setzt der giftige Rauch besonders zu. Akute Atemwegserkrankungen sind für den Tod von jährlich rund drei Millionen Kindern unter fünf Jahren verantwortlich. Und die Ursache ist nicht etwa der Smog der Großstädte, sondern hauptsächlich der Rauch vom heimischen Herd.

Für Eva Rehfuess ist dies "das vergessene Problem". Sie ist bei der WHO für die Koordination von Gegenmaßnahmen zuständig und klagt darüber, dass "die breite politische Unterstützung fehlt". Denn die Gefahr ist wenig spektakulär. Schon seit Tausenden von Jahren bereiten Menschen ihr Essen auf diese Weise zu, und der Zusammenhang zwischen Rauch und Krankheit ist nicht so einfach zu erkennen. Vor allem aber leben die Betroffenen hauptsächlich dort, wo niemand hinguckt: auf dem Land und in den Slums der ärmsten Länder. Anfang 2000 hat eine gemeinsame Tagung der WHO und der Entwicklungsorganisation USAID das Thema erstmals auf die internationale Tagesordnung gesetzt. Zwei Jahre später legte die WHO eine Studie vor, die den ersten Versuch darstellte, die häusliche Gefahr in konkrete Zahlen zu fassen.

Demnach sind 1,4 Milliarden Menschen durch offene Herdfeuer gefährdet. Der Rauch im eigenen Heim ist für 4,3 Prozent aller Krankheitsfälle in Entwicklungsländern verantwortlich, in Schwarzafrika und Indien sogar für mehr als fünf Prozent. Dabei sind die häufigen Verbrennungen durch das Feuermachen noch nicht einmal mitgerechnet. Angesichts dieser Zahlen erscheint die allgemeine Aufregung um die Luftverschmutzung in den Städten fast übertrieben. Denn diese sorgt in Asien und Afrika nur für knapp zwei Prozent aller Erkrankungen, in den Industrieländern sogar nur für ein Prozent. Die WHO-Studie schließt mit einer Liste von Maßnahmen, die den Rauch und damit die Gesundheitsgefahr beim Kochen und Heizen im Haus deutlich reduzieren könnten – Maßnahmen, die im Vergleich zur Bekämpfung des Großstadt-Smogs sogar erstaunlich billig sind.