Was macht die Menschheit krank? Zu dieser Frage hat die Weltgesundheitsorganisation WHO in den vergangenen Jahren umfassendes statistisches Material zusammengetragen. Als wichtigstes Vergleichskriterium gelten dabei die verlorenen "gesunden Lebensjahre" (disability adjusted life years, kurz DALYs genannt). Wenn etwa drei Menschen innerhalb eines Jahres jeweils vier Monate lang an Hepatitis leiden, ergibt das zusammen ein DALY. Und für ein Kind, das mit fünf Jahren an Asthma stirbt, werden sämtliche Jahre bis zum Ende seiner normalen Lebenserwartung als Asthma-DALYs gezählt. Die gleiche Todesursache führt also bei Kindern zu wesentlich mehr DALYs als bei Senioren. Für 2002 hat die WHO eine "globale Krankheitslast" von knapp 1,5 Milliarden DALYs errechnet.

Die häufigsten Krankheiten sind dabei nicht Aids oder Malaria und schon gar nicht Tropenkrankheiten wie Bilharziose oder das gefürchtete Ebola-Virus. Weltweit am gefährlichsten sind Komplikationen bei der Geburt – 100 Millionen gesunde Lebensjahre von Müttern und ihren Kindern gehen dadurch Jahr für Jahr verloren. Aids führt dagegen "nur" zu 88 Millionen DALYs, Malaria zu 42 Millionen. Nicht nur Krankheiten, auch Gesundheitsrisiken durch die Lebensbedingungen der Menschen werden in DALYs erfasst und damit vergleichbar gemacht. So addieren sich laut WHO alle Krankheiten, die durch den Rauch von offenem Feuer im Haus verursacht werden, auf fast 40 Millionen DALYs.

Nun will die WHO auch die Maßnahmen gegen die Gesundheitsgefahren statistisch bewerten. So werden die Kosten für ein gewonnenes gesundes Lebensjahr bei der Malariabekämpfung zum Beispiel je nach Land auf 35 bis 75 Dollar geschätzt. Aufklärungskampagnen für verbesserte Hygiene können schon mit 20 Dollar ein gesundes Lebensjahr erhalten, Maßnahmen gegen den Smog in Großstädten kosten dagegen über 1000 Dollar pro DALY. Ziel der Rechnerei ist es, die Entscheidungen über internationale Gesundheitsprogramme auf eine nüchterne Grundlage zu stellen.

Die Verfahren, mit denen dies geschieht, sind allerdings unter den Experten heftig umstritten. Ein Elektrifizierungsprogramm gegen die Gesundheitsgefahr durch offenes Feuer im Haus etwa führt auch zu besseren Bildungschancen. Denn mit elektrischem Licht können die Schüler noch nach Einbruch der Dunkelheit lernen.

So streiten medizinisch denkende Gesundheitsexperten mit Fachleuten, die eher ökonomische und soziale Folgen im Blick haben. Mittlerweile hat der Streit dazu geführt, dass die eigentlich für diesen Herbst geplante Veröffentlichung der Interventionskosten erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. DA