Nanotechnologie, die Wissenschaft von den kleinsten Dingen, ist schwer in Mode, und so war "Nano" auch das Motto der diesjährigen Verleihung der berüchtigten Ig-Nobel-Preise durch die Zeitschrift Annals of Improbable Research im amerikanischen Cambridge. Die Trophäe dieses Witzpreises (ignoble bedeutet "unedel, gemein") war ein Barren aus purem Gold von einem Nanometer Länge, verpackt in Plexiglas. Und in einer Nano Lecture mussten mehrere Experten ihr Fachgebiet in maximal 24 Sekunden erklären, gefolgt von einer allgemeinverständlichen Zusammenfassung in exakt sieben Wörtern.

So beschrieb William Lipscomb, Chemie-Nobelpreisträger von 1976, seine Wissenschaft mit den Worten: "What is chemistry? Elementary, my dear Watson" ("Was ist Chemie? Elementar, mein lieber Watson") – was man als Anspielung nicht nur auf Sherlock Holmes, sondern auch auf den DNA-Pionier James Watson deuten darf, der in Chemie nicht gerade eine Leuchte gewesen sein soll.

Bei der Auswahl seiner Preisträger geht nicht nur das Stockholmer Nobel-Komitee oft Jahrzehnte in die Geschichte zurück (siehe nebenstehenden Artikel). Beim Ig-Nobel-Preis wurde sogar posthum der Ingenieur Edward Murphy jr. geehrt, der Ende der vierziger Jahre das nach ihm benannte Gesetz prägte. Demnach geht bekanntlich alles schief, was schief gehen kann. Doch dies sei nur die populäre Fassung des Gesetzes, das keineswegs als eine grundsätzlich pessimistische Sicht der Welt zu verstehen ist, erklärte Edward Murphy III., der für seinen Vater den Preis entgegennahm. Tatsächlich lautet Murphys Gesetz: "Wenn es zwei oder mehr Wege gibt, eine Sache zu tun, und einer davon zu einer Katastrophe führen kann, dann wird es jemand tun." Die Regel sei gedacht gewesen als Rat an die Ingenieure, die Dinge so zu konstruieren, dass diese katastrophale Alternative eben nicht eintritt.

Auch der Anlass für den Ig-Nobel-Friedenspreis war nur auf den ersten Blick komisch: Der Inder Lal Bihari wurde dafür geehrt, dass er 18 Jahre lang ein aktives Leben führte, obwohl er offiziell tot war. Bihari hat die Vereinigung Toter Menschen gegründet, denn offenbar werden im Norden Indiens Zehntausende für tot erklärt, weil sich habgierige Verwandte oder eine unberechenbare Bürokratie ihres Besitzes bemächtigen wollen.

Ansonsten folgte das Preiskomitee der bewährten Praxis, skurrile Forschungsergebnisse aus der Dunkelheit der Fachjournale ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren. Etwa die Untersuchung australischer Forscher über die Kraft, die benötigt wird, um Schafe über unterschiedliche Oberflächen zu schleifen. Die Arbeit englischer Mediziner über die Veränderung der Hirnstruktur bei Londoner Taxifahrern. Oder auch die Beobachtung schwedischer Forscher, dass sich Hühner zu schönen Menschen mehr hingezogen fühlen als zu hässlichen. Vielleicht wird einem der Preisträger bei einer künftigen Ig-Nobel-Zeremonie ja die Ehre zuteil, einen Ultrakurzvortrag über sein Gebiet zu halten. So wie Eric Lander, Direktor des Whitehead-Instituts und einer der Pioniere des Genom-Projekts, der sein Fach so zusammenfasste: "Genome – bought the book. Hard to read." ("Genom – Buch gekauft. Schwer zu lesen.")