Irgendjemand muss die Devise ausgegeben haben: Seid nett zu den Brummis! Seit Anfang September ist die Euro-Vignette für Lkw auf deutschen Straßen ersatzlos gestrichen - ein ansehnliches Geschenk für die Transporteure. Die stattdessen vorgesehene elektronische Maut ist nicht einsatzbereit, und niemand weiß, wann das System zuverlässig arbeiten wird. Keinesfalls vor Weihnachten, verkündete inzwischen Verkehrsminister Manfred Stolpe. Nun steht die Möglichkeit im Raum, dass er sogar den Vertrag mit dem Betreiber Toll Collect kündigt. Dann allerdings müsste er einen neuen Partner suchen, und die Brummis könnten mit Sicherheit noch ein paar Monate länger mautfrei durchs Land brausen.

Auch Brüssel will den Spediteuren auf deutschen Straßen offensichtlich etwas Gutes tun. Das Wochenend-Fahrverbot für Lastkraftwagen soll fallen, und die EU-Kommission betreibt das schon lange anhängige Projekt plötzlich mit Nachdruck. Es gehe nicht an, so das Argument, dass jedes Land seine eigene Vorstellung umsetze und der grenzüberschreitende Güterverkehr an Wochenenden und Feiertagen praktisch zum Erliegen komme, nur weil die Deutschen (und einige ihrer Nachbarn) ihre Ruhe haben wollen. Freie Fahrt auf Europas Fernstraßen, und das die ganze Woche zu jeder Tages- und Nachtzeit: Was kann sich das Speditionsgewerbe mehr wünschen?

Und die Bundesregierung? Die weiß nicht weiter. Sie hat es ihrer schlechten Politik zu verdanken, dass ihr Monat für Monat Einnahmen von gut 150 Millionen Euro entgehen. Angesichts der Milliarden-Löcher im Staatshaushalt sind das zwar keine weltbewegenden Summen. Aber sie fehlen dem Verkehrsminister, der Investitionen streichen muss. Irgendwann wird die Maut schon kommen, aber die verlorenen Einnahmen hinterlassen Lücken im Straßen- und Schienennetz.

Das ist der zentrale Punkt. Erklärtes Ziel deutscher Verkehrspolitik ist die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene. Dazu gibt es keine Alternative, denn der Transitverkehr mit Osteuropa nimmt zu, die Industrie macht die Straße systematisch zum rollenden Lager. Jeder kennt die Folgen: ununterbrochene Lkw-Kolonnen, Staus ohne Ende.

Doch nun das: Die Spediteure können sich schon Monate vor Weihnachten freuen.

Das Maut-Theater der vergangenen Wochen hat die Bundesregierung an den Rand des Lächerlichen bugsiert. Fällt noch das Fahrverbot am Wochenende, droht der Aufstand der Autofahrer.