Er ist noch zu ahnen, der Dreck der frühen Tage, auch wenn er längst unsichtbar geworden ist unter all den Pflänzchen, die inzwischen den Dancefloor-Planeten bewachsen und denen er als Humus dient. Sheath (Warp/Zomba) ist erst das dritte Album der britischen Techno-Pioniere LFO, und es bewegt sich noch immer in der Formensprache, die sie vor dreizehn Jahren definierten. Als sei damals eine Sonne angeknipst worden, nach der sich auch heute noch Köpfchen und Knöpfchen richten.

Schon der Name war Programm: LFO ist nichts weiter als die Abkürzung für Low Frequency Oscillation, und das bezeichnet einen simplen Effekt zur Bearbeitung von Bassfrequenzen. Mit ihrem schlicht LFO genannten Track schufen LFO ein Monument, das in seiner majestätischen Einfachheit ein ganzes Genre begründete. Bass 'n' Bleep nannte sich diese Musik, und so klang sie auch: Da war nichts als ein Bass, der die Fenster eines jeden heruntergekommenen Fabrikgebäudes zum Klappern bringen konnte, dazwischen Bleep-Geräusche, die dem Raum eine Struktur gaben, auf dass man sich nicht in ihm verlief.

Eine halbe Ewigkeit ist das nun her. Nach Maschineneffekten benennt sich heute kein Act der elektronischen Musik mehr, die alten Warehouses sind abgerissen oder saniert und Warp, das Label, das LFO mit ihrem Erfolg groß gemacht haben, veröffentlicht mittlerweile bevorzugt ambitionierte Experimental-Electronica von Künstlern wie Aphex Twin oder Autechre. Musik, die in Konzertsälen und nicht mehr auf der Tanzfläche ihren Ort hat.

LFO-Mastermind Mark Bell selbst verdient seinen Lebensunterhalt als Produzent für dem Experiment zugeneigte Superstars wie Björk oder Depeche Mode.

Als LFO jedoch macht er noch immer eine Musik, der man bei Tageslicht leicht befremdet gegenübersteht, die einen in ihrer großartigen Simplizität des Nachts jedoch packen und weit weg tragen kann. "This is going to make you freak", spricht die Vocoderstimme, die Hi-Hats zischen, der Synthesizer macht bleep, und sofort ist er wieder da, der dunkle Zauber des drogenseeligen Wahnsinns durchravter Nächte. In ihrem Beharren auf einem Set an Klängen, das sich über die Jahre nicht großartig verändert hat, hört sich diese Musik mitunter beinahe so an, als sei sie von einer Sehnsucht nach den alten Lagerhallen-Raves getrieben - Zeiten, in denen die Bassfrequenzen den Putz aus der Decke schlugen und auf die Tanzfläche rieseln ließen. Doch der Eindruck täuscht. Nostalgisch wird Sheath nie. Ganz ähnlich wie Kraftwerk schreiten LFO einfach weiter voran auf dem von ihnen selbst gewiesenen Weg.