Eine Kerze im Wind flackert jetzt im Essener Colosseum-Theater, wo das Musical Elisabeth nach ausreichender Verweildauer das Sterbestündchen erlebte. Aber gleich ist Trost zur Stelle: Die nubische Prinzessin Aida schreitet herbei, um das Leid ihres gefangenen Volkes zu tragen und trotzdem mit dem ägyptischen Feldherrn Radames rumzumachen. Eine unglückselige Konstellation, wie schon Verdis Oper lehrte. Beim Musical Aida geht die Sache wenigstens nicht tödlich aus, denn alles spielt nur im Ägyptischen Museum, wo drei junge Leute die Geschichte in ihrer Fantasie erleben. Wenig Erbauliches erlebt der Zuhörer in dieser Mischung aus Zartbitter-Romanze, Zappelshow und Weichspülermusik. Elton John, den Komponisten, hat seine Erfahrung im Beweinen von Prinzessinnen nicht sonderlich inspiriert: kaum Melodien, die sich hinterher im Gedächtnis wiederfinden, obgleich sich tapfere Kräfte redlich um die Gunst der Hörer mühen. Der Librettist Tim Rice hat ein bisschen Ironie, einige neue Figuren (etwa Radames' machtgierigen Vater) und manch peinvolle Konversationslyrik in die Chose eingerührt. Wenigstens die Modenschau im Hause Amneris versöhnt kurz die Sinne: Dort trägt man Schlange und Katze als Hut.