Vielleicht wird die Lehrerin Fadeschda Nudin nun mit einem Kopftuch in ein Klassenzimmer einreiten und den Untergang des Abendlandes beschleunigen. Na und? In Kiel ist bereits ein ganzes deutsches Museum in die Hände der Muselmanen gefallen. Tausend türkische Fahnen verhüllen unerbittlich rot die Kunsthalle an der Förde, gegen Stern und Halbmond hat die holde deutsche Kunst keine Chance mehr. Eine Art umgekehrten Kreuzzug hat Feridun Zaimoglu mit seiner Installation Influenza im Sinn, die er eigens für die Ausstellung Accessoiremaximalismus geplant hat (bis 9. November). Den Titel wie die gesamte Idee der Schau hat der deutsch-türkische Autor und Künstler geliefert, als ihn der rührige Museums-Direktor Dirk Luckow fragte, ob er nicht einmal seine Heimatstadt kunstvoll aufmischen wolle. Nun führen zwölf Künstler vor, wie Türken, Juden, Schwule, Narzissten, Backfische, Fußballfans oder Soldaten ihr Herz an Dinge hängen im verzweifelten Kampf darum, einen, ihren Platz in der Welt zu behaupten. In Accessoire steckt access, Zugang - die symbolisch aufgeladenen Gegenstände sind die Grenzpflöcke, die ein Individuum oder eine ganze Gruppe um sich herum einrammt. In Kiel kann man lernen, wie kurz der Weg von der privaten Marotte zum Kampf der Kulturen ist.