Meinungsfreiheit und eine offene Presse versprach der heutige iranische Präsident als er zur Wahl antrat. Mohammed Chatami galt nach seiner Wahl als Hoffnungsträger der Demokratiebewegung im Iran. Europa und Amerika lobten Ihn als Reformer, der die lang ersehnten Veränderungen im Iran herbeiführen würde.

Doch die Hoffnungen wurden enttäuscht. Im Amnesty International Bericht 2003 wird die verheerend schlechte Situation der Pressefreiheit im Iran angeprangert. Noch immer werden Journalisten inhaftiert, meist ohne Anklage. Einigen wird der Kontakt zu einem Rechtsanwalt oder der Familie verweigert. Sogar Rechtsanwälte, die diese Personen vor Gericht vertreten, werden von der Justiz mit vagen Vorwürfen konfrontiert. Auspeitschungen und Hinrichtungen auf öffentlichen Plätzen sollen die Bevölkerung einschüchtern. Nicht selten verschwinden Intellektuelle plötzlich. Sie werden Monate später tot aufgefunden. Einige werden zu diffamierenden Geständnissen im öffentlichen Fernsehen gezwungen.

Erschreckendes Beispiel für Chatamis Scheitern ist die ermordete Fotografin Zahra Kazemi. Fraglich ist, ob die Angeklagten beim Prozess am 15. Oktober tatsächlich ihre Mörder sind. Sie starb am 10. Juli mit schweren Kopfverletzungen. Am 23. Juni wurde sie wegen Fotoaufnahmen bei Teheraner Studentenprotesten vor dem Evin Gefängnis verhaftet. In Evin Inhaftierte sind meist politische Häftlinge. Während des Verhörs wurde sie derart misshandelt, dass sie an den Schädelverletzungen starb. Die Justiz versuchte den Mord zu vertuschen. Der Leichnam der in Kanada lebenden Journalistin wurde gegen den Willen ihres Sohnes im Iran beigesetzt. Kazemi ist kein Einzelfall im Kampf für die Meinungsfreiheit im Iran.

134 Journalisten und Chefredakteure haben im vergangenen Jahr vor einer Verschärfung der Spannungen gewarnt und die Freilassung politischer Gefangener gefordert. Die Erklärung wurde über die Nachrichtenagentur der Studenten (ISNA) verbreitet. Im gleichen Tempo in dem die konservative Gerichtsbarkeit Zeitungen verbietet, erteilt das liberale Kulturministerium neue Lizenzen. Der 71 Jährige Journalist und Filmkritiker Siamak Purzand wurde am 3. Mai vergangenen Jahres zu acht Jahren Haft verurteilt. Die Verlegerin Mah Djabin stellte Ihre Zeitung "Aref" freiwillig ein, da sie Angst vor einer Gefängnisstrafe hatte. Die Anklage hätte auch jeden anderen treffen können: Handlungen gegen die Sicherheit des Staates durch Verbindungen zu Monarchisten und Konterrevolutionären. Sobald sich internationale Organisationen zu Vorfällen im Iran gegen Intellektuelle, Autoren und Journalisten äußern, heißt die Anklage Spionage für die USA und deren Verbündete. Das ist nichts Neues.

Doch wollen die westlichen Demokratien nicht offen zugeben, dass Chatami ihre Erwartungen enttäuscht hat. Dahinter steckt meist politisches Kalkül. Die Reformkräfte im Iran sollen nicht durch schonungslose Kritik geschwächt werden. Außerdem ist mit Chatami – im Gegensatz zu seinem konservativen Vorgänger - ein internationaler Dialog möglich. Sicherlich spielen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Keiner will es sich mit einem Handelspartner verspielen. Da schaut man gerne weg.

Für einen kurzen Moment glaubten sogar die Perser an Chatami. Ein neuer Wind wehte durchs Land. Die Bürger hatten viel Hoffnung in den liberalen aber religiösen Präsidenten gesetzt. Die Medienbranche schöpfte Mut. Zahlreiche Internetcafes florierten im ganzen Land. Die Betreiber sperrten jedoch bestimmte Seiten, wie Onlineauftritte von oppositionellen Parteien und pornographische Seiten. Andernfalls würden sie ihre Lizenz verlieren. Wer an einem Flirt Chat von Yahoo teilnimmt, ist überrascht, wie viele Jugendliche aus dem Iran in fließendem Englisch Kontakt suchen. In den Parks Teherans müssen sie aufpassen, dass Ihnen das Gespräch mit einem Bekannten des anderen Geschlechts nicht zum Verhängnis wird. Also flüchten Sie sich in die Cyberwelt, um eben ganz normale Jugendliche zu sein. Die meisten gutbürgerlichen Familien besitzen einen PC. Mit einer Karte, ähnlich der Pre-payed-Karten bei Mobiltelefonen, wählen sie sich dann ins Netz. Nach Schätzungen hatten bereits 1,75 der 64 Millionen Iraner im vergangenen Jahr Zugang zum Internet.