Eigentlich wollte er ja Physiker werden: Mit einem Master-Abschluss in Physik in der Tasche war Robert Engle 1966 schon drauf und dran, an der renommierten Universität Cornell einen Doktortitel zu erwerben. Doch dann kam alles anders – Finanzmarktanalysten danken es ihm. Denn nachdem der Amerikaner genug von flüssigem Stickstoff hatte und seinem Laborkittel an den Nagel hängte, legte das Mathematik-Genie eine beeindruckende Karriere als Ökonom hin und sorgte in den achtziger Jahren für eine Revolution in der empirischen Wirtschaftsforschung.Engle, der heute Professor an der New York University ist, entwickelte statistische Methoden, mit denen sich voraussagen lässt, wie stark Aktienkurse und Bondrenditen schwanken werden. Die Schwankungsanfälligkeit, unter Ökonomen als "Volatilität" bezeichnet, ist nicht konstant, sondern variiert mit der Zeit. Ruhige Perioden wechseln sich mit turbulenten Phasen ab. Engles Modelle ermöglichen es, zeitlich variierende Volatilität zu modellieren. Dafür erfand er den Begriff "autoregressive bedingte Heteroskedastizität" (autoregressive conditional heteroskedasticity (ARCH)). Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Wirtschaftswissenschaftler nur mit Methoden gearbeitet, die konstante Schwankungen voraussetzten. Weil die Volatilität an den Finanzmärkten eine große Rolle spielt, sind die ARCH-Modelle heute nicht nur für Forscher, sondern auch für Finanzanalysten zu einem unverzichtbaren Werkzeug geworden.Neben dem 60-jährigen Amerikaner zeichnete die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch einen weiteren Ökonomen mit dem Nobelpreis aus: Clive Granger, gebürtiger Waliser und emeritierter Professor der University of California im sonnigen San Diego. Granger erhält die Auszeichnung für seine Arbeit an Zeitreihen mit "stationären" Daten, die nur wenig um einen vorgegebenen Wert schwanken. Beispielhaft ist hier der Zusammenhang zwischen Vermögen und Konsum, Wechselkursen und Preisniveau oder kurzfristigen und langfristigen Zinsen. Granges Untersuchungen zielten ebenso wie die seines Kollegen Engle darauf ab, volkswirtschaftliche Berechnungen präziser zu machen. In erster Linie kam es dem heute 69-Jährigen darauf an, zufällige Störungen bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts herauszurechnen, um fehlerhafte Schlussfolgerungen zu vermeiden.In der Begründung für die Preisvergabe heißt es, Engle und Granger hätten die Möglichkeiten zur statistischen Verarbeitung von Zeitreihen, also chronologischen Datenabfolgen, verbessert. Mit ihnen nehmen einmal mehr zwei in Amerika forschende Wissenschaftler die Auszeichnung entgegen, was die Dominanz der USA bei dem Wirtschaftsnobelpreis unterstreicht. 40 der bisher 51 Preisträger arbeiteten zum Zeitpunkt der Vergabe an wissenschaftlichen Einrichtungen in den Vereinigten Staaten. Den mit insgesamt 10 Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Preis werden die beiden Ökonomen am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm entgegennehmen.