medizin Grippen, Gräber und GelehrteSeite 4/4
Für Kekulé, Becker und Klenk ist dabei keineswegs ausgemacht, dass ein wiederbelebter Grippeerreger von 1918 genauso verheerend wirkt. Damals förderten große Truppenansammlungen und miserable Hygienebedingungen das Massensterben. Vor allem hatten vermutlich besonders junge Menschen damals kaum eine natürliche Immunität gegen Grippeviren vom Typ H1N1, was die horrende Opferzahl in dieser Altersgruppe erklären dürfte. Heute sind die meisten Menschen zumindest teilweise immun gegen diese Virusgruppe, sei es durch natürliche Grippeinfektionen, sei es durch Impfungen. Schützend hinzu kommen Antibiotika, die heftige Lungenentzündungen (oft mit bakterieller Beteiligung) bekämpfen helfen, und schließlich die modernen Grippemittel, die die Viren direkt angreifen. „Allerdings sollten wir uns keine Illusionen machen“, sagt Klenk. „Auch heute noch könnte eine Grippe-Pandemie verheerend wirken.“
Klenk kennt übrigens die Proteste von Biowaffengegnern aus eigener Erfahrung, da er auch tödliche Marburg- und Ebola-Viren erforscht. „Ich habe schon mehrfach zu hören bekommen, wir seien naive Wissenschaftler, die ungewollt Bioterroristen in die Hände arbeiten.“ Er könne solche Sorgen sehr wohl verstehen, wisse aber auch, wie schnell die Stimmung drehe: „Immer wenn in den Medien die Angst wächst wegen neuer Ausbrüche von Sars oder Ebola. Dann sind wir Naivlinge plötzlich gefragt als die schlauen Helden.“
- Datum 16.10.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.10.2003 Nr.43
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