Gerhard Wink verschenkt gern Geld. Viel Geld sogar, manchmal bis zu 18000 Euro. Wink würde gern noch viel mehr verschenken. Doch der 56 Jahre alte Ingenieur findet niemanden, der sein Geld haben möchte.

Wink leitet den Studienfonds des Vereins deutscher Eisenhüttenleute – und klagt über zu wenig Bewerber. Während die große Studienstiftung des deutschen Volkes jährlich drei von vier vorgeschlagenen Abiturienten ablehnt, hat Wink in den zwölf Monaten seiner Amtszeit eine einzige Absage verschickt. Wink ist frustriert: "In den besten Zeiten haben wir 150 junge Menschen gefördert, zurzeit sind es nur 30."

Der Fonds der Eisenhüttenleute ist kein Einzelfall. 1300 Studienstiftungen gibt es in Deutschland – und jede Fünfte wird ihr Geld nicht los, berichtet Ulrich Brömmling, Sprecher des Bundesverbandes deutscher Stiftungen. "Sie finden keine Bewerber, oft finden die Suchenden aber auch keine Stiftung."

Denn die meisten Stiftungen fristen ihr Dasein im Verborgenen. Nur zwei Hand voll sind richtig bekannt, an ihrer Spitze die renommierte Studienstiftung des deutschen Volkes, dann die Förderwerke, die Parteien, Gewerkschaften, Wirtschaft oder Kirchen nahe stehen. Viele kleine Werke – etwa die Fritz-und-Eugenie-Übelhör-Stiftung, den Hildegardis-Verein oder die Veith-Berghoff-Jubiläumsstiftung – kennt dagegen kaum jemand.

Gesucht: Nürnberger, männlich, Freidenker

Bei vielen winzigen Förderwerken hat der Bewerbernotstand faszinierende Folgen: "Die vergeben ihr Geld einfach an die Leute, von denen sie die Adresse haben", berichtet der Pädagogikprofessor und Stipendien-Experte Gundolf Seidenspinner. So sprudelt das Geld nicht nur für Einser-Aspiranten, sondern auch fürs Mittelmaß.

Schuld an der Misere tragen nicht allein diese Stiftungen. Zwar sind sie zu klein für große Werbekampagnen, und ihre Auswahlkriterien wirken oft skurril. Aber häufig sind die Studenten zu bequem, sich um Stiftungsgeld zu kümmern. "Die lehnen sich zurück und denken an die zehn Großen", sagt der Stiftungs-Experte Brömmling, "und wenn sie von denen kein Stipendium bekommen, dann war’s das."

Dabei ist es sinnvoll, Stiftungs-Konvolute durchzuackern sowie bei den Verwaltungen der Hochschulen und Heimatstädte nachzufragen. Der gewonnene Informationsvorsprung kann viel Geld wert sein. Wer weiß, in welches Förderraster er passt, kann monatlich Hunderte von Euro einstecken.