geschlossene FondsAusbruch ins Risiko

Weil Steuervorteile wegfallen, versprechen geschlossene Fonds nun hohe Renditen – bei entsprechenden Gefahren für Anleger von Thomas Hammer

Unter den deutschen Fondsinitiatoren macht sich Optimismus breit. Nach einer Umfrage des Analystenhauses Fondscope erwarten 79 Prozent von ihnen eine gute bis sehr gute Entwicklung ihres Geschäfts und gehen davon aus, dass das Abschlussvolumen von sieben Milliarden Euro im Jahr 2002 in diesem Jahr deutlich übertroffen wird. Dabei hat die Bundesregierung in kaum einem anderen Bereich den Abbau von Steuersubventionen so konsequent vorangetrieben wie bei geschlossenen Fonds. Dank neuer Paragrafen und Erlasse sanken in den vergangenen fünf Jahren die Verlustzuweisungen bei der Fondsanlage von durchschnittlich 112 Prozent auf 77 Prozent. Wer also bei einem Einkommensteuersatz von 40 Prozent vor fünf Jahren in geschlossene Fonds investierte, konnte im Schnitt davon ausgehen, dass bei einer Anlagesumme von 10000 Euro rund 4480 Euro per Steuerrückzahlung von Vater Staat übernommen wurden. Heute beläuft sich bei gleichem Steuersatz und identischer Anlagesumme die durchschnittliche Steuerersparnis für Neuanleger auf lediglich 3080 Euro. Und die Regierung plant bereits neue Einschnitte bei den Steuervorteilen.

Dennoch bieten die Initiatoren verstärkt Anlageprodukte an, die auch bei geringen Steuervorteilen Renditen von fünf bis zehn Prozent pro Jahr in Aussicht stellen. Fondscope-Analyst Martin Witt hält die meisten Konzepte ohne Steuervorteil für "wenig interessant". Gleichwohl lohnen sich die einst reinen Steuersparmodelle heute nur noch, wenn sie neben der eingeschränkten Steuerersparnis eine ordentliche Ausschüttung oder Wertsteigerung bieten.

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Damit kommen auf Anleger und Berater neue Anforderungen zu. Die Renditeprognose muss stimmen, schließlich hängt der Gewinn nicht mehr ausschließlich von gut kalkulierbaren Steuervorteilen ab. Und selbst wenn der Anbieter seriös ist, können hohe Renditerisiken zutage treten – wenn das Geld beispielsweise in einen nur schwer kalkulierbaren Markt investiert wird.

Zu den vergleichsweise soliden Produkten zählen geschlossene Immobilienfonds – aber nur, wenn sie in ein Gebäude in guter Lage investieren, das langfristige Mietverträge mit zahlungskräftigen Mietern hat. Zielobjekt solcher Investitionen sind zumeist Bürokomplexe in Großstädten, manchmal auch kombinierte Einzelhandels- und Büroimmobilien. Hotels spielen aufgrund des höheren Ertragsrisikos nur eine Nebenrolle, Wohnblocks sind wegen der vergleichsweise geringen Mieterträge ebenfalls wenig gefragt.

Weil sich in Deutschland die Renditen bei sinkenden Steuervorteilen kaum verbessert haben und oft unter der Sechsprozentmarke liegen, wandern die Investoren derzeit massiv ins Ausland ab. "Innerhalb der Immobilienfonds werden die USA-Fonds in diesem Jahr das stärkste Segment bilden", sagt Witt. Dort lassen sich Mietrenditen von bis zu neun Prozent erzielen. Doch die höheren Ertragschancen werden mit einem größeren Anlagerisiko erkauft. Denn Kaufpreise und Mieten schwanken in den USA deutlich stärker als in Europa. Dazu kommt, dass nach dem starken Wachstum bei Kauf- und Mietpreisen viele Analysten inzwischen eine Überhitzung in den USA befürchten. "Die jüngsten Preissteigerungen von über 20 Prozent pro Jahr in New York oder San Diego sind kaum nachhaltig", warnt Immobilienanalyst Tobias Just von der Deutschen Bank in einer aktuellen Studie. Zwar sei keine Spekulationsblase wie in Japan zu befürchten, dennoch bestehe das Risiko deutlicher Korrekturen. Dazu kommt bei US-Immobilienfonds die Abhängigkeit von der Devisenkursentwicklung. Steigt der Dollar, profitieren die Anleger – doch bei sinkendem Dollar wird die Rendite geschmälert.

Berechenbarer sind Fonds, die in Immobilien innerhalb der Eurozone investieren. Als klassisches Zielland gelten die Niederlande, wo erfahrene Initiatoren wie das Bankhaus Wölbern oder MPC bereits in großem Stil investiert haben. Inzwischen sind die Anbieter dabei, ihre Aktivitäten auszuweiten. Bereits heute sind Frankreich- und Österreichfonds auf dem Markt, und Italien- und Spanienfonds dürften schon bald kommen. Von besonderer Natur sind bei US- und europäischen Auslandsfonds die Steuervorteile. Weil die Erträge am Sitz der Immobilie zu versteuern sind, können die Anleger von den Freibeträgen des fremden Landes profitieren. In den USA beispielsweise bleiben Einkünfte bis 3050 US-Dollar steuerfrei, und für darüber liegende Einnahmen liegt der Eingangssteuersatz bei zehn Prozent.

Einen regelrechten Boom konnten in diesem Jahr die Schiffsfonds verzeichnen. "Das starke Wachstum kam durchaus überraschend", sagt Andreas Renner, stellvertretender Geschäftsführer bei der Berenberg Finanzanlagen GmbH. Bislang galt das Investment in Containerschiffe und Tanker als Nischenprodukt. Doch die stark gestiegenen Charterraten haben nun das Interesse renditeorientierter Anleger geweckt. Seit Anfang 2002 haben sich die Preise am Chartermarkt für Containerschiffe fast verdoppelt, meldet der Fondsinitiator Nordcapital. Deren Geschäftsführer Hans-Jürgen Kaiser-Blum geht von weiterem Wachstum aus. "Für die laufende Dekade erwarten Fachleute ein jährliches Wachstum des weltweiten Containerverkehrs von neun Prozent", sagt er, warnt jedoch, dass es bei schlechter Weltkonjunktur auch schnell wieder abwärts gehen könne. "Vor allem bei Tankern können die Charterraten stark schwanken", sagt er. Zwar sind die Fonds in der Regel für die ersten Jahre mit einem festen Chartervertrag ausgestattet. Wenn jedoch der Charterer aufgrund sinkender Frachtraten in finanzielle Schwierigkeiten gerät, stehen unter Umständen auch Festverträge zur Disposition.

Wie stark oft wirtschaftliche Risiken angesichts üppiger staatlicher Hilfen in den Hintergrund gedrängt worden sind, zeigt die Entwicklung bei manchen Windkraftfonds. Weil die Einspeisungsvergütung gesetzlich geregelt ist, haben viele Investoren zu wenig auf die Risiken der noch jungen Technik geachtet. Diese treten nun zutage. Weil die Getriebe und Lager nicht so belastbar sind wie ursprünglich geplant, kommen auf viele Betreiber Mehrkosten bei Revision, Wartung und Versicherung zu. "Einige Fonds könnten bald in Schwierigkeiten kommen, weil sie zu wenig Reserven für solche unvorhergesehenen Aufwendungen gebildet haben", sagt Analyst Witt.

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  • Schlagworte Andreas Renner | Fonds | Rendite | USA | Frankreich | Italien
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