maut Das Maut-OpferSeite 3/3
Den Super-GAU wollen nun alle vermeiden
Die Bundesregierung nimmt sogar das Recht für sich in Anspruch, unter bestimmten Voraussetzungen den Vertrag aufzukündigen. Das wäre erstmals am 15. Dezember möglich, dann wieder zu mehreren im Vertrag genannten Terminen. Toll Collect würde in einem solchen Fall einschließlich aller Installationen und Patente an die Bundesregierung übergehen. Die müsste einen von einem Schiedsgericht festgesetzten Preis dafür bezahlen und einen anderen Partner suchen. Dann ließe sich aber eine erneute Verzögerung nicht vermeiden, und der politische Schaden wäre für die Bundesregierung genauso groß wie die Blamage für die Industrie.
Den Super-GAU wollen alle verhindern. Überdies will Toll Collect nichts von der Möglichkeit einer Vertragskündigung wissen. Das Unternehmen weist auch den Verdacht, es könnte die vorläufige Betriebsgenehmigung hinauszögern, damit kein Schadensersatz fällig wird, zurück. Schließlich habe man jeden Monat 65 Millionen Euro Ausgaben und keine Einnahmen.
Während sich im Hause Stolpe die Juristen für alle Eventualitäten wappnen, muss sich bei Toll Collect erst eine neue Geschäftsführung einarbeiten. Immerhin hat Peter Mihatsch, der künftige Chef, Erfahrung im IT-Geschäft und ist schon einige Monate als Berater bei Toll Collect tätig. Doch mit jeder Woche, die das Unternehmen weiter in Verzug gerät, verliert es an Reputation. „Qualität muss vor Schnelligkeit gehen“, gab der scheidende Klaus Mangold noch vorige Woche als Devise aus. Diese Alternative hat Toll Collect nicht mehr.
- Datum 16.10.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.10.2003 Nr.43
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